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auch schon bis auf die Haut^durchnäßt war. Es war ein richtiger tropischer Tornado, wie sie besonders zur Regenzeit in diesen Gegenden häufig sind. Unsere Pferde standen ganz ruhig und ließen sich auch durch den Regen gar nicht stören, alle Stallwachen waren auf ihren Posten, so daß ich bald wieder in meine Kammer zurückkehren und mich der nassen Sachen entledigen konnte. In einer halben Stunde war das Unwetter vorüber, das einem Dampfer eigentlich fast nie gefährlich werden kann, da die See merkwürdigerweise ganz ruhig bleibt. Nur das hin und her flutende Wasser in den Gängen, das durch die verstopften Röhren nicht abfließen konnte, erinnerte noch an das soeben durchlebte Naturschauspiel.
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von Snlxmarm phot.
.Entre Rios*
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Heute gegen Mittag konnte man, nachdem wir Kap Mount passiert hatten, mit dem Fernglase Monrovia, die Hauptstadt Liberias, sehen; ein Dampfer lag auf der Reede, am Schornsteine bald als der Woermann-Linie angehörig erkannt. Immer näher kamen wir der im schönsten Grün prangenden Küste, kleine Fischerboote belebten die See, auf dem weit vorspringenden Kap ließen sich die Umrisse eines Forts erkennen, in dem, wie wir später erfuhren, einige alte Kanonenrohre ohne Lafetten ein beschauliches Dasein fristen. Der weiße Leuchtturm, der sich auf dem felsigen Kap, an dem sich die Wogen hochaufspritzend brechen, erhebt, scheint in Ordnung zu sein; auf ihm erkennt man die Woermann-Flagge. Wir haben uns durch dreimaliges Tuten mit der Dampfpfeife angemeldet. Ein Böllerschuß aus der auf dem Achterdeck stehenden kleinen Kanone wurde leider nicht spendiert. Unsere Kanoniere benutzten sie nur, um ein spa ßiges Geschützexerzieren daran zu vollführen. Um 4 Uhr 13 Min. fiel der Anker, womit