Unter diesem neuen, thatkräftigen, von modernem Streben erfüllten Besitzer erfolgte in den Jahren 1885 bis 1887 der Umbau der Fabrik in Mikuszowice, indem dieselbe in allen Räumen bedeutend vergrössert und feuersicher eingewölbt wurde, so dass sie hiedurch, von späteren kleineren Zubauten abgesehen, jene Grösse erhielt,
welche in dem Hauptbilde an der Spitze dieser Zeilen dargestellt erscheint.
Die längst nicht mehr ausreichende motorische Kraft wurde durch Anschaffung neuer Dampfmaschinen wesentlich erhöht, die alten hölzernen Webstühle wurden allmählich durch mechanische ersetzt, in der Spinnerei wurden an Stelle der alten Mule-Jennys die leistungsfähigen neuen Selfactoren eingeführt, die es ermöglichen, dass ohne besondere Kraftanwendung ein einziger Arbeiter 500 Spindeln in Bewegung setzt, die selbstthätig ihre Faden genau mit so viel Drehungen als man wünscht, spinnen und mit schärfster Genauigkeit auf die Spulen aufwinden. Ueber- dies wurde, nachdem bereits im Jahre 1880 die Färberei probeweise •elektrische Beleuchtung erhalten hatte, nach erfolgtem Umbaue diese Beleuchtungsart in der ganzen Fabrik und auch in der Lodygowicer Fabrik eingeführt.
Gegenwärtig verfügen die beiden Fabriken ausser den beiden Wasserkräften von 15 und 20 Pferdekräften über Dampfmaschinen von 180 beziehungsweise 60 Pferdekräften für den’ regelmässigen Betrieb und über Reserve-Dampfmaschinen von 50 beziehungsweise 20 Pferdekräften.
Die Fabrik zeichnet sich insbesonders durch den Umstand aus, dass in derselben die gesammte Fabrication der Schafwollwaaren, von der Behandlung der rohen Wolle bis zur Appretur und Versendung des fertigen Tuches, in allen Stadien selbst vorgenommen wird, und zwar umfassen dieselben die Wollsortirung, die Wollwäscherei, Spinnerei, Weberei, Lodenwäsche, Carbonisirung, Walke, Rauherei, Scheererei, Decatur, Färberei und Presse.
In der Spinnerei arbeiten sechs Selfactoren und einige alte Mule-Jennys mit zusammen 3840 Spindeln.
Die Weberei wird auf 84 mechanischen und 24 hölzernen Handwebstühlen betrieben; die letzteren werden blos für diejenigen älteren Arbeiter, welche sich nicht mehr auf mechanische Webstühle einrichten konnten, im Betriebe erhalten.
Die Färberei ist für mechanischen Betrieb eingerichtet und gleich der Walkerei, Rauherei, Carbonisirung und Appretur mit den besten und neuesten Maschinen ausgestattet.
Die Fabrik erzeugt vorwiegend glattes, woll- und stückfärbiges Tuch in allen Farben, und zwar als besondere Specialität lichte und zarte Farben, für Decorationen und Confection, Wagen-und Billardtücher. Weitere Erzeugnisse sind Militärtücher, und zwar ist die Firma an dem Consortium für die Lieferung von Montursorten für die k. k. Landwehr betheiligt, und ist ferner Lieferantin für die k. k. Staatsbahnen.
Im Ganzen verarbeitet die Fabrik in ihrer gegenwärtigen Betriebseinrichtung circa 200.000 Kilo Wolle und erzeugt hieraus 8000—10.000 Stück Tuch jährlich.
Das ursprüngliche Absatzgebiet der Fabrik war hauptsächlich im Inlande und in Ungarn und wurde später durch den Orient erweitert. Für den Absatz im Inlande und nach dem Orient sorgte die im Jahre 1848 in Wien gegründete Niederlage, für den ungarischen Absatz die Niederlage in Budapest. Seit den Siebzigerjahren wurde der Export nach Italien, Nordafrika, Indien, Japan, China, Süd- und Nordamerika aufgenommen, in welchen Ländern die Marken der Firma sich eines besonderen Ansehens erfreuen.
Besondere Aufmerksamkeit wendete die Firma in den letzten Jahren der Ausgestaltung der Wohlfahrts- Einrichtungen für ihre Arbeiter zu. Die Arbeiterverhältnisse der Firma sind insoferne bemerkens- werth, als unter den Bediensteten derselben zahlreiche vorhanden sind, welche schon eine lange Reihe von Jahren daselbst arbeiten. Von den 14 Beamten und 420 Arbeitern, welche in beiden Fabriken beschäftigt sind, ist ein Beamter bereits durch 54 Jahre im Dienste der Fabrik und wurde aus Anlass seines 50jährigen Dienstjubiläums mit dem goldenen Verdienstkreuze ausgezeichnet; mehrere Beamte sind zwischen 30 und 50 Jahren bei der Firma thätig.
Von den Arbeitern sind 14 durch mehr als 40 Jahre im Dienste und wurde einer derselben mit dem silbernen Verdienstkreuze ausgezeichnet; 42 Arbeiter sind zwischen 30 und 40 Jahre bei der Firma beschäftigt.
Eine Ivrankencasse wurde im Jahre 1886 für die Arbeiter gegründet und wurde dieselbe im Jahre 1889 in eine behördlich genehmigte Betriebskrankencasse umgewandelt. Diese Casse ist in der Lage, kranken Arbeitern durch 20 Wochen lang volles Krankengeld und durch weitere 20 Wochen halbes Krankengeld zu bezahlen, ebenso
Weberei,
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Eduard Zipser.
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