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Die Groß-Industrie Oesterreichs : Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Österreichs 1898 ; Vierter Band
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Die Zollpolitik hat stets auf unsere Fabrication einen grossen Einfluss ausgeübt. Der Beginn des Geschäftes fiel in die Zeit des Prohibitiv-Systems; die Yierzigerjahre, mit ihren traurigen landwirthschaftlichen und schwankenden politischen Verhältnissen brachten schlechte Geschäfte, die sich in den Fünfzigerjahren wieder besserten, nach dem Kriege im Jahre 1866 stark auflebten, um zur Zeit des Appreturverfahrens und der Nachtrags-Convention mit Eng­land, sowie des finanziellen Kraches vom Jahre 1873 einen in unserer Industrie bis dahin nie beobachteten traurigen Rückgang zu nehmen. Erst der nach dieser Zeit eingeführte Zollschutz belebte die Wollwaaren-Industrie, welche über­dies durch die Mode, die sich auf Stoffe aus in Oesterreich und Deutschland erzeugten Kammgarnen warf und da­mit der übermächtigen englischen Industrie siegreich entgegentrat, begünstigt wurde. Wir können nur den Fort­bestand der jetzigen Zollpolitik wünschen, denn wir sind nach wie vor auf den österreichischen Markt angewiesen und vermögen mit den grossen seefahrenden Nationen im Exportverkehr noch nicht zu concurriren.

Nur mit gedruckten wollenen Waaren (zum Theile auch Wollwaaren mit Seide) gelingt es uns, ein allerdings nicht bedeutendes Geschäft nach Deutschland, Italien und Aegypten zu erzielen. Der in denselben Artikeln früher nach Russland, Spanien und Portugal stattgehabte Verkehr hat aufgehört, weil Russland diese Waaren selbst erzeugt, Spanien und Portugal aber ihre Grenzen durch unerschwinglich hohe Zölle verschlossen haben.

Der Absatz im Inlande war in der Zeit der Gründung unseres Unternehmens schwierig und mühsam, weil er der Hauptsache nach nur auf Märkten stattfinden konnte. Die Märkte in Wien, Pest, Brünn, Pilsen, ja in kleineren Städten Böhmens, wie Jiöin und Königgrätz, mussten bezogen werden, um die mitgebrachten Waaren abzusetzen. In Prag vermittelte ein Commissionshaus den Verkauf der Waaren.

Erst in den Fünfzigerjahren wurden die eigenen Niederlagen in Wien und Prag begründet und so das Ge­schäft in regelmässigere Bahnen gelenkt. Der Kundenkreis konnte erweitert, dem fortschreitenden Geschmacke der Consumenten besser Rechnung getragen und die Fabrication gleichmässiger und aufmerksamer betrieben werden. Die Vergrösserung des Eisenbahnnetzes, die Erweiterung der Concurrenz und die gesteigerten Ansprüche der Con­sumenten veranlassten zur Entsendung von Reisenden, um mit der Kundschaft in stetigerem Verkehr zu bleiben, und wurde dadurch der Besuch der Märkte überflüssig. Die letzten Märkte besuchte unser Haus in Brünn im Jahre 1886, in Pilsen im Jahre 1892.

Im Jahre 1897 erwarb die Firma das Haus Nr. 9 am Rudolfsplatze in Wien, um seine Niederlage im Jahre 1898 dorthin zu verlegen. Das untenstehende Bild zeigt die Ansicht der Wiener Niederlage.

Am 1. Jänner 1896 übergab Herr Conrad Blaschka senior das Geschäft, an dessen Spitze er von der Grün­dung im Jahre 1836 bis 31. December 1895 mit voller Umsicht waltete, seinen Söhnen Johann, dem ältesten, und Max, dem jüngsten seiner Kinder.

Die neuen Chefs, die Angestellten und Arbeiter des Hauses unter den Letzteren sind viele, die schon 40 bis 50 Jahre und darüber ihr Brot in der Fabrik erwerben sehen mit Liebe und Verehrung auf ihren alten Herrn, der noch heute in voller Rüstigkeit und Frische an allen geschäftlichen Vorkommnissen warmen Antheil nimmt, und dessen erfolgreiches Wirken uns lehrt, wie nur ehrliche und rastlose Arbeit allen Stürmen des Lebens gewachsen ist.

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