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Die Groß-Industrie Oesterreichs : Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Österreichs 1898 ; Vierter Band
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Neue Fabrik in Haindoif.

FRITSCH & CO.

MECHANISCHE WEBEREIEN

HAINDORF, WEISBACH UND REICHENBERG (BÖHMEN).

n Haindorf bestand zu Anfang unseres Jahrhunderts eine Mühle, die im Laufe der Jahre zuerst in eine Weberei umgewandelt, bald darauf zu einer Spinnerei ausgebaut wurde. Von verschiedenen Besitzern mit geringen Unterbrechungen betrieben, musste die Spinnerei in der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre zufolge schlechten Geschäftsganges ihre Production einstellen und blieb circa sieben Jahre ausser Betrieb, bis sie im Jahre 1874 Franz Fritsch, dessen Vaterstadt Neustadtl bei Friedland ist, von dem letzten Eigenthümer Johann Zehner, Ultramarinfabrikanten in Nürnberg, um den Kaufschilling von 30.000 Thalern erstand. Der neue Besitzer, der Gründer der gegenwärtigen Firma, begann zu Weihnachten 1874 in den erworbenen Betriebs­stätten mit 23 mechanischen Stühlen und einer geringen Anzahl breiter Handstühle seine industrielle Thätigkeit. Im Allgemeinen lagen damals die Verhältnisse nicht günstig. Zwar stand dem jungen Unternehmen die kostenlose Wasser­kraft zu Gebote und fand dasselbe Verdienst durch das Arbeiten im Lohn für grosse Firmen, insbesondere für die Firmen Anton Otto und A. Rauch & Co. in Warnsdorf; allein die Weber mussten erst herangezogen werden, da bisher zu Haindorf und Weisbach nur Baumwollspinnerei betrieben wurde. Die Industrie der Umgebung lag überhaupt danieder. Die Baumwollspinnereien von Frdr. Leitenberger in Haindorf und Cordella in Weisbach waren Brandruinen, die Porzellanfabriken erst im Entstehen und die Kammgarnspinnereien noch klein. Dadurch wurde es aber möglich, eine genügende Arbeiterzahl zur Bewältigung der aus Warnsdorf eingelangten reichlichen Lohnarbeit zu erhalten. Die Firma A. Rauch & Co. liess überdies, um die Erzeugung zu vermehren, mechanische Stühle aus England auf ihre Kosten kommen und gab selbe gegen monatliche Abzahlung vom Lohne Franz Fritsch ins Eigenthum. Das Haindorfer Etablissement erzeugte durch die ersten Jahre seines Bestandes ausschliesslich Warnsdorfer und Turner Stoffe, sowie Hosenzeugstoffe in grossen Mengen. In den Jahren 1876 bis 1883 wurde Lohnarbeit für Wiener Druckereien, rohe und seidengestreifte Cachemire, aufgenommen. Das kräftige Gedeihen der mit Energie und grossem Fleisse geleiteten Weberei setzte den Besitzer in den Stand, die Production der letzterwähnten .Stoffe auf eigene Rechnung zu betreiben, und führten diese Arbeiten eine rasche Ver­mehrung der Stuhlzahl mit sich. Zwei Jahre rastloser Thätigkeit, während welcher die Pro­duction Tag und Nacht betrieben wurde, brachte das Unternehmen um einen grossen Schritt nach vorwärts. Der Umfang der Hain­dorfer Fabrik fieng an, der gewachsenen Er­zeugung nicht mehr zu genügen, und so wurde 1879 in der Fabrik Carl Bienertjr. zu Weisbach (ehemals Baumwollspinnerei Cordella) ein Saal gemiethet und wurden darin 48 breite Stühle untergebracht, woselbst sie bis zum Jahre 1884, d. i. bis zur Uebersiedlung in die von F. Fritsch im gleichen Orte erbaute Fabrik, imGang-e waren.

Unterdessen war am 11. Jänner 1881 Eduard Fritsch in die Firma, welche nunmehr in »Mechanische Weberei Haindorf Fritsch & Co.« umgeändert wurde, eingetreten, in welcher derselbe vom Anbeginne thätig ge­wesen war.

Im Jahre 1883 sahen sich die Firmaträger veranlasst, eine bedeutende Vergrösserung ihres Etablissements vorzunehmen. Dabei erachteten sie es als das Zweckmässigste, zu Weisbach eine ganz neue Weberei anlegen zu

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Weberei in Weisbach.

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