Von Theben bis Philä. 185
Jenes Silsilis, von dem jetzt jede deutlich nachweisbare Spur verschwunden ist, stand auf dem östlichen Ufer des Nil. Hier sind die grössten Steinbrüehe, aber sonst nichts von Bedeutung für den Freund des Alterthums. Dagegen befinden sich auf dem andern Ufer verschiedene interessante Grotten und Hieroglyphentafeln, die aus der frühesten Zeit des thebanischen Reichs, nämlich aus der Periode stammen, wo die Pharaone der achtzehnten Djmastie herrschten.
Die erste Grotte im Norden besteht aus einem langen Gange, der von vier Pfeilern getragen wird und verschiedene Hieroglyphentafeln enthält. Sie wurde begonnen von Horus, dem neunten Pharao der achtzehnten Dynastie, welcher hier seine Siege über die Aet-liiopier verewigt hat. Er ist dargestellt, wie er in seinem Wagen mit gespanntem Bogen die fliehenden Feinde verfolgt und zersprengt. Dann wird er auf einem kostbaren Stuhle im Triumph dahergetragen, während seine Soldaten und die Gefangenen voranziehen oder ihm folgen. Endlich sieht man ihn, wie er von Amunre das Emblem des Lebens empfängt. Andere Tafeln sind aus der Zeit von Ramses II., seinem Bohne Pthamen und dem ersten Könige der neunzehnten Dynastie, Pthamen Septhali. Sie haben indess nur für den Alterthurasforscher Werth. Weiterhin finden sich noch andere Grotten, die als Grüfte gedient haben und die Namen des ersten und dritten Thothmes sowie der Königin, welche die grossen Obelisken in Karnak errichtete, aber nur wenige Sculpturen enthalten.
Südlich von diesen Grotten erblickt man andere Hieroglyphentafeln und offene Kapellen von sehr anmutliiger Form. Sie sind mit Säulen geziert, deren Kapitaler der Lotosblüthe gleichen. Die erste Kapelle, welche sehr verfallen ist, wurde mit Osirei I-, die zweite von dessen Sohn Ramses II., die dritte und nördliche von dessen Sohne Pthamen erbaut. Die Gegenstände in den beiden letzten sind sich sehr ähnlich, und die Tafeln datiren aus den ersten Regierungsjahren beider Monarchen. In der Kapelle, die Ramses gegründet, opfert der König der thebanischen Göttertrias Amun, Maut und Konso und Re, Ptliah und Hapimu (dem Gotte des Nil). Die andern in dem Heiligthume dargestellten Gottheiten sind Savak, Mandu, Osiris, Ao, Tafne, Seb, Atmu, Chem, Hathor, Thoth, Anauke und einige andere, die sich nicht bestimmen lassen. Auf dem Hauptbilde opfert Ramses der thebanischen Trias Weihrauch und dem Re, Pthah und Hapimu zwei Vasen mit Wein. An einer andern Stelle' bringt Isinofri, die Gemahlin dieses Pharao, einer andern Göttertrias zwei Sistra dar.
Dass der Nilgott hier so hohe Ehre genoss, mag daher rühren, dass hier gleichsam der zweite Eintrittspunkt des Stromes in das Land Aegypten ist, vielleicht aber auch daher, dass hier die Steine zu den Tempel- und Palastbauten zuerst dem Rücken des Stromes anvertraut wurden.
Savak, der Hauptgott in dem vierthalb Meilen weiter südlich gelegenen Ombos, war auch hier der Gott, welcher den Vorrang vor allen andern hatte.