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Aegypten : Reisehandbuch für Aegypten / von Moritz Busch
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190 Von Theben bis.Pliilä.

satz zu der Landschaft der Katarakten und zu den ringsumher aufge- tkürmten Steinmassen.

Philä, von den Arabern Anas el Wogud genannt, im Altägyp­tischen mit den Worten Pilak, Ailak oder Manlak, .der Grenzort be­zeichnet, liegt eine kleine .Strecke oberhalb der Katarakten und etwa 2 % Stunden von Assuan. Es ist gegenwärtig unbewohnt und überhaupt nur ein unbedeutendes Inselchen, von Nordwest nach Südost in seiner grössten Ausdehnung 1152 Fuss lang und 408 Fuss breit, so dass man es längs des Ufers in einer Viertelstunde bequem umschreiten kann. Die wichtigste seiner Ruinen ist der von Ptolemäus Philadelphus und Arsinoe erbaute und von den spätem Monarchen Aegyptens vollendete Tempel des Osiris. Er ist sehr unregelmässig in seinem Grundriss. Anstatt eine bestimmte Richtung einzuhalten, folgt er der Krümmung der Insel und seine verschiedenen Säulengänge und Portale sind mit so wenig Rücksicht auf Proportion aneinandergesetzt, dass das Gebäude einen viel angenehmeren Eindruck macht, wenn man es als eine Ge- sammtheit von einzelnen Theilen betrachtet, wie wenn man es als Ganzes anschaut In Folge seiner Lage fern vom Strome der Geschichte hat der Tempel verhältnissmässig wenig von den Verwüstungen durch Menschenhände gelitten, durch welche andere Reiligthümer Aegyptens in Trümmer sanken, und es wäre nicht schwer, ihn in seiner ursprüng­lichen Lage wiederherzustellon. Er gibt deshalb nächst dem Tempel von Denderali die beste Vorstellung von der Bauart dieser altägyp­tischen Götterwohnungen und verdient schon deshalb einen Besuch. Der Schmutz, mit welchem koptische Christen seine innern Wände be­worfen haben, verunstaltet ihre reichgemalten Seulpturen, ohne sie ganz verbergen zu können, und die Palmblatt- und Lotoskapitäler seines Porticus haben noch den ersten Glanz ihrer grünen und blauen Farben.

Von der Vorderspitze, d. h. der südlichen Spitze der Insel führen zwei lauge Säulengänge, von denen der linke seine Rückwand aus dem Strome selbst aufbaut, nach dem Tempel. Dieser Doppelkorridor, welcher 30 Säulen hat, ist nie ganz fertig geworden; denn einige der Kapi- täler, die zuletzt autgericlitet wurden, sind noch unbehauen und andere zeigen verschiedene Grade der Vollendung. Auf den Säulenhof folgt zunächst ein gewaltiges Zwillingspaar von Pyramidalthürmen, welche eine Pforte neben sich haben und mit ihren Treppen und Kammern im Innern wohlerhalten sind, so dass man das Dach besteigen und die Aussicht über die Ruinen und das ganze Thal gemessen kann. Ein zweiter Hof führt zu einer zweiten ähnlichen Pfortenfront von weniger hohen Flügelthürmen. Die Anlage ist indess nicht regelmässig; denn wenn auch rechts dieser innere Hof mit einer einfachen Säulen- gallerie sich säumt, so hat er links einen ganzen Tempel aufgenommen, dessen eigene Säulenflanke die Gallerie des Hofes vertritt. Dieser Tempel gehört seiner Bauart nach zu den sogenannten Typhonien. Er hat starke pyramidale Eckpfeiler und eine offne Säulenstellung dazwdschen unter dem gemeinsamen Arcliitrav und scharf ausgeladenen Hohlgesims. Die Säulen haben keine Zwischenschranken, weil sie sich nach Innen wenden