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I. In Italien (1848—1855)
nisse schienen das Sonnenlicht nicht trüben zu können, das sich über die aufblühende Weltstadt an der Seine ergoß. Auch Alois und Lotti genossen den Zauber dieser Tage, aber die neidischen Götter waren wach: Ihr freudiges Glück trübte die Nachricht von der Erkrankung Oskars; es schien ein Leberleiden im Anzuge zu sein. Sorgende Ratschläge von Vater und Mutter gingen nach Prag, wo Oskar weilte. Oskar sollte Urlaub nehmen, nach Karlsbad gehen. Onkel Nikola, der als Beichtvater und Bibliothekar des Kaisers Ferdinand auf dem Hradschin lebte, sollte ihn mit allen Mitteln unterstützen; die ängstliche Mutter empfahl vor allem Diät und wieder Diät, „das ist bei Fieber das allerwichtigste“ schreibt sie. Die Briefe liefen von Prag nach Paris mehrere Tage; Negrelli schöpfte Verdacht, daß sie geöffnet werden, denn die Reise von Prag nach Paris dauerte nur 50 Stunden. Er wollte mit Lotti über Prag heimreisen, um Oskar zu besuchen. Ein Vormerkbuch Negrelli’s bringt einige flüchtige Aufzeichnungen, gleichsam am Wege hingeworfen, von der Ausstellung, von Paris, von der Rückreise, die über Saarbrücken, Frankfurt, Hanau, Aschaffenburg, Würzburg und Schweinfurt ging. Alles, was Kunst und Technik ist, erregte seine Aufmerksamkeit: da ein Zelt, dort eine Drehscheibe, hier Armangauds neue Säge; am meisten selbstverständlich, was mit dem Eisenbahnwesen, mit dem Eisenbahnbau zusammenhängt, mit dem ihm das Leben so innig verbunden hatte; die verschiedenartig erstrebte Lösung der Schienen- und Schienenstoßfrage 60 beschäftigte ihn lebhaft; er lobt die gute Einrichtung zur Verschiebung von Fahrzeugen, allem Anscheine nach eine Art unversenkter Schiebebühne, auf dem Lyoner Bahnhof in Paris, bei der auch, wie er kurz bemerkt, sein „System zur Vermeidung großer Ausfüllungen angewendet