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I. ln Italien (1848—1855)
Herr Ministerialrat, von Ihrem dermaligen Dienste zu entheben, und es ist über Ihre weitere Verwendung der Antrag zu erstatten.
Indem ich Sie sonach Ihrer Funktionen als Direktor und Vorstand der lombardisch-venetianischen Eisenbahnbau-Direktion enthebe, setze ich hievon gleichzeitig diese Behörde in Kenntnis und weise sie an, Ihnen Ihren Gehalt bis auf weiteres flüssig zu erhalten.
Wegen Ihrer Geschäfte bei den internationalen Kommissionen für die Po-Schiffahrt und für die mittelitalienische Zentral-Eisenbahn behalte ich mir die Weisung vor.
Wien, den 8. September 1855.
Toggenburg.“
Der Erlaß überraschte selbst Radetzky, den Gouverneur der italienischen Provinzen; unter dem Eindrücke der Nachricht, die ihm mächtig berührte, schrieb er am 19. September an Negrelli:
„Mein lieber Freund!
Herzlich erfreut über Ihr Andenken und erstaunt über die mir eben zukommende Mitteilung der Veränderung Ihrer Anstellung mangeln mir die Worte des schmerzlichen Ausdruckes hierüber. Doch schon gewohnt der Überraschung von unglaublichen Ereignissen, sehe ich auch hier und schmeichle es auch mir eine frohe Umänderung; ich bitte, nur Ruhe des edlen Mannes nicht zu verlieren und sehne Sie bald zurück. Nebst herzliche Empfehlung Ihrer Frau Gemahlin empfiehlt der Fortdauer Ihres Andenkens
Ihr Freund Radetzky, FM.“
In seiner unbeholfenen, ehrlich-schlichten Schreibweise, in der die ganze Erregung des Augenblicks nachzittert, sagt der greise Feldmarschall mit wenigen Wor-