4 . Enthebung von der Dienstleistung in Italien
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ten, was in mehr oder weniger lebhaften Sätzen aus den zahlreichen Briefen wiederklingt, die Negrelli in diesen Tagen aus allen Teilen der italienischen Länder zukamen; namentlich beklagten seine Ingenieure, die unmittelbar die Baustrecken leiteten und die Baubezirke verwalteten, überaus bitter sein Scheiden; bangend sahen sie der Zukunft entgegen — und immer wieder dankten sie ihm für die fachliche Führung, die er ihnen geboten, für das reiche Maß des Wissens und Könnens, das er ihnen offenbart, für das Wohlwollen, das er
ihnen erwiesen hatte-Jedermann hoffte und glaubte
es, gleich dem Marschall, daß dem Manne, der um das Eisenbahnwesen in Italien und um das Wohl des Staates so hervorragende Verdienste sich erworben hatte, wohl gewiß eine bessere Zukunft Vorbehalten sei; ja viele wollten in der plötzlich erfolgten Abberufung Negrelli’s nur den ersten vorbereitenden Schritt für eine Berufung auf eine bedeutsame Stelle erblicken.
Professor Brentari, der Herausgeber der Zeitschrift „Italia Bella“ will von seinem Großonkel Michelangelo Negrelli, dem Bruder unseres Alois gehört haben, daß es sich nicht um eine Bestrafung, sondern um eine Beförderung gehandelt habe. „Man darf nicht übersehen“, schreibt er mir , 62 „daß Negrelli das volle Vertrauen Radetzkys genoß, der sich nie der Dienste seines Vertrauensingenieurs begeben hätte.“ Brentari übersieht, daß der Schlag gegen Negrelli über den Kopf Radetzkys hinweg erfolgte, daß dieser ebenso von der Tatsache
überrascht wurde, als jener- Das beweist der oben
wiedergegebene Brief Radetzkys, dessen Urschrift sich im Nachlasse Negrelli’s befindet. Und dieser Umstand eben ist es, der die Sache so geheimnisvoll erscheinen ließ und zu so vielen Vermutungen und Geschichten Anlaß gab; denn jeder sagte sich: Wenn Negrelli einer