240
II. Der Suezkanal
See. Er führte viele Reisende, deren Ziel Kalkutta war. Das Meer lag still und ruhig; bei klarer, sonniger Luft durchfuhr das Schiff die schönen Inselgruppen entlang der dalmatinischen Küste; auf der Fahrt nach Korfu, die zwei Tage und zwei Nächte währte, wurden viele Reisende seekrank, auch Dr. Ganz und Negrelli’s treuer Diener Giuseppe. Korfu war von der Cholera heimgesucht; das Schiff durfte nicht landen. Nur vom Verdeck aus konnte Negrelli Korfu bewundern; er wirft einen Handriß der Stadt in sein Tagebuch, in dem er auch den Anblick der Albaner Berge mit flüchtigem, aber treffendem Griffel festhält. Der Dampfer übernachtete im Hafen, um die gefährliche Fahrt durch den Archipel bei Tag zurückzulegen und auch bei Tageszeit in Alexandrien zu landen, in dessen Hafen kein Schiff während der Nacht einlaufen durfte. Erst am 18. November wurde mit drei Tagen Verspätung die Küste Ägyptens erreicht. Die Fahrt dahin war stürmisch, der Himmel trüb; aber er störte nicht den Anblick der jonischen und griechischen Inseln. Der Sturm zwang in Navarino, am Gestade Moreas, vor Anker zu gehen. „Wir blieben“, schreibt Negrelli aus Alexandrien, „siebzehn Stunden in jenem, von der Natur gebildeten, altberühmten, jetzt aber ganz öden Hafen, ohne jedoch ans Land zu gehen. Welche Illusion ist Navarino! Ein solcher Name und dabei solches Elend! Es ist ein elendes, kleines, unregelmäßiges Dorf zwischen Steinen, wie am Karst, doch ist die Gegend am Karst viel schöner und kultivierter. Überhaupt bietet die ganze Küste Albaniens und Moreas bis gegen Cerigo ein trauriges Bild von Vergangenheit und gegenwärtigem Elend! Wir sehen in der Ferne den Olymp, den Taygetos bei Sparta, Mo- don, Coron, Itaca, die felsige Insel Patmos und unzählige andere Inseln und Eilande, und bei Candia, wo