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II. Der Suezkanal
behalten in Kairo an. Die Reise fand bis zum Nil per Eisenbahn, dann per Dampfboot statt und war daher ganz bequem, zumal im ganzen Lande für alle unsere Bedürfnisse mit wahrhaft königlicher Munifizenz gesorgt ist. Wenn nicht die Entfernung von Euch wäre, kann ich es wohl sagen, daß ich mich in diesem Lande der Geschichte, unter diesem heiteren Himmel und milden Klima, beständig beschäftiget oder in gespannter Aufmerksamkeit, ganz glücklich fühle — dabei der herrlichsten Gesundheit mich erfreue und die tausend Aufmerksamkeiten, die mir in diesem Weltteil, sei es durch meine europäische Umgebung oder sei es durch die hiesigen Machthaber zuteil werden, triefen wohltätigen Balsam auf die tiefe, schmerzliche Wunde, die mir so höchst unverdient in der Heimat geschlagen wurde.“
Im Weiteren beschreibt er den Empfang, den ihnen Soliman Pascha in seinem duftenden, von Orangen, Bananen, Datteln, Mandarinen und tausendfältig mit allen Blumen und Pflanzen des Orients beschatteten Garten bereitete. „Darauf aber stand uns die höchste Herzensfreude bevor. Es wurde uns nämlich die Grotte Mariae in einem Koptenkloster gezeigt. In dieser Grotte lag die heilige Familie durch ein Jahr verborgen und über dieselbe ist seit dem 3. Jahrhundert eine Koptenkirche gebaut worden. Ich kann Dir nicht beschreiben, liebste Lotti, welche Empfindung dabei mein Blut umrieselte. Denn aus jener Grotte ging der Tag der Christenheit, der Zivilisation hervor! Leider ist das Kloster so arm, daß die Grotte nicht gehörig in Stand gehalten wird, und der Wunsch und die Hoffnung in mir rege wurde, daß die Kaiserin Marie Anna ihre Hand dafür ausbreite, damit die heilige Stätte anständiger repariert werde; es kann kaum einige 100 fl. kosten — den Plan bringe ich mit.“