2. Negrelli’s Vorarbeiten fiir den Suezkanal in Ägypten 245
Mit einem festlich geschmückten Dampfer fuhr die Kommission in das Lager der ägyptischen Armee, wo der Vizekönig sich befand und die Kommission mit fürstlichen Ehren überhäufte. Die Reise ging weiter bis Theben. Negrellis Tagebuch füllte sich mit flüchtigen Entwürfen der Wunder, die er hier überall schaute. „Mein Gott“, schreibt er von Lugsor am 2. Dezember, „welche Größe und welche Pracht, welche Kunst! Wie weit war die Wissenschaft in Ägypten schon vor 4000 Jahren und durch welche Spuren menschlicher Größe wird sie uns überliefert! Überwältiget vom Staunen und von dem Eindruck der Bewunderung schreibe ich diese Zeilen an Dich, Liebste! Ach, könnte ich Dich hierher zaubern!“
Oberhalb Theben begegneten die Reisenden den ersten Krokodilen; große, aber wenig schmackhafte Fische wurden gefangen; das gereinigte Nilwasser war herrlich zu trinken, „besser als jenes in Verona“. Im Garten des Vizekönigs pflückten die Reisenden Orangen und Mandarinen. Daneben pflegten die Kommissionsmitglieder gewissenhafte hydrotechnische Untersuchungen. „Es war der Zweck der Reise!“, bemerkt Negrelli. Am 6. Dezember wurde der erste Katarakt bei Assuan erreicht. „Welches Naturschauspiel! Da stürzt der Nil mit haushohen Wogen herab! Und 24 Nubier hatten den Auftrag, vor unseren Augen sich schwimmend in die Katarakte zu stürzen! Es war furchtbar! Aber gottlob, es kamen alle schwimmend und singend wieder zum Vorschein.“ Nach einem langen Ritt durch die Wüste gelangte die Reisegesellschaft zur Insel Philae, an die Grenze von Ägypten.
Zurückgekehrt nach Assuan, erstattete die Kommission (Conrad, Negrelli, Renaud, Mac Clean und Lieus- son) an den Vizekönig den von ihm gewünschten Be-