Annotation 
Besuch im Sclaven-Bazar
Entstehung
Aquarell aus dem Reisetagebuch Carl Junkers, betitelt "Besuch im Sclaven-Bazar" (Sklaven Basar).

Entsprechende Textpassage im Reisetagebuch:
"Das interessanteste also zuerst, hieß es folglich den Sclaven-Bazar: Nach einem halbstündigen Ritte kammen wir vor ein kleines steinernes Gebäude, vor welchem 2. Männer standen, die Tabak rauchten.- Meine Neugierde kann ich kaum beschreiben aber wie sehr täuschte ich mich! besagte Männer führten uns nachdem wir
ihnen das verlangte Backschis(Trinkgeld) gaben in das innere des Hauses.- Es war ein kleiner Hof in welchem mehrere sehr niedrige Thüren angebracht waren.- Als wir eintratten pfiffen die Sklavenhändler und auf dieses Signal erschienen mehrere meist ganz nackte schwarze Mädchen die jedoch alles, nur nicht schön waren.- Sie bestürmten uns um Geschänke und machten uns auf ihre körperliche Reitze selbst aufmerksam.- Ihre Haare kammen mir
wie Schafwolle vor, jedoch die Haut und überhaupt ihr ganzer Körper ist äußerst zart.- Nachdem wir sie zur Genüge betrachtet hätten; kehrten wir alle mit dem Gefühl des höchsten Mitleids und
Entrüstung über diese Entwürdigung aller Menschenrechte, aus diesen Hause, von welchen ich mir aufrichtig gesagt weit mehr versprach."
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"Besuch im Sclaven-Bazar"Im 19. Jahrhundert war der Sklavenhandel in Ägypten, insbesondere infolge von Kriegen und Besetzungen (z.B. in Nubien), weit verbreitet. Viele weibliche Kriegsgefangene wurden Opfer von Versklavung, sexualisierter Gewalt und Zwangsprostitution. Diese Zeichnung verdeutlicht, wie versklavte Afrikanerinnen auf bloße „Handelsware“ reduziert und schonungslos entmenschlicht wurden.Im Zentrum der Bildkomposition steht der arabische Zwischenhändler neben einer sitzenden, Afrikanerin mit nacktem Oberkörper, die schützend mit dem Arm ihre Brust bedeckt. Die österreichischen Ingenieure betrachten die versklavten Frauen und berühren deren unbedeckte Haut. Im Zentrum der Bildkomposition steht der arabische Zwischenhändler neben einer sitzenden, Afrikanerin mit nacktem Oberkörper, die schützend mit dem Arm ihre Brust bedeckt. Die österreichischen Ingenieure betrachten die versklavten Frauen und berühren deren unbedeckte Haut.Die Darstellung verweist auf koloniale und sozialhierarchische Machtstrukturen und offenbart zugleich eine Diskrepanz zwischen Junkers schriftlichen Aufzeichnungen und der Zeichnung. Im Reisetagebuch schildert Junker, dass die Österreicher „über die Entwürdigung der Menschenrechte“ empört sind und Mitgefühl für das entsetzliche Schicksal der versklavten Frauen zeigen. Zudem erwähnt er, dass die Frauen angeblich durch ihre Reize die Aufmerksamkeit der Österreicher suchten ein Kontrast zur Abbildung, in der die Frauen abgewandt und sich verdeckend dargestellt sind, während die Männer ihre nackte Haut berühren.