Dokument 
Aegypten : Reisehandbuch für Aegypten / von Moritz Busch
Entstehung
Seite
165
Einzelbild herunterladen

Theben.

165

liegt der Palast Thothmes III. querüber, wie ein halbversunkener Dreidecker mit der schwarzen offenen Beilie seiner Stückpforten.

Dieser grosse Tempel also machte Front nach Westen oder viel­mehr Nordwesten, wo der Strom fliesst, und wohin von einer Terrasse aus gleichfalls eine Allee von Widdersphinxen führte. Er stand wahr­scheinlich in Verbindung mit einer andern Strasse von Sphinxen, die auf dem Westufer in das Assasiftlial und nach einem später zu erwäh­nenden Tempel des Königs Thothmcs III. führte, der auch hier in Karnak die ältesten Tempeltheile gegründet hat. Die Langseite des grossen Tempels lag nach Süden, d. h. nach Luxor hin. Von deren Mitte aus schiebt er vier freistehende Pylonsysleme, eines hinter dem andern gegen und in den südlichen, dort noch erhaltenen Aussemvall seines Gebietes vor. Sie stehen malerisch zwischen Palmen, bald zer­fallen, bald mit scharfen Kanten. Dann führt eine Sphinxallee, fast parallel mit der, welche uns von Luxor nach dem grossen Portal brachte, weiter, wendet jedoch, nachdem sie den Eingang in ein süd­liches, unabhängig umschanztes Tempelgebiet berührt hat, in einem scharfen Winkel in die von Luxor kommende Hauptstrasse, von welcher die nach jenem grossen Portal und dem dahinter gelegenen Tempel nur ein Zweig ist. Durch letzteren Tempel, der in das wesentlich vier­eckige Tempelgebiet von Karnak hineinreicht und dem Mondgotte ge­weiht war, schreiten wir hindurch, um vor die grosse westliche Front des Haupttempels zu treten.

Diese Front hatte den grössten Pharao zu ihrem Erbauer Ramses II., Sesosiris. Eine 60 Fuss hohe Pforte öffnet sich zwischen den jetzt noch 134 Fuss hohen, aus gewaltigen Blöcken zusammengeschich­teten Flügelmassen. Sie haben ihre Bekrönung verloren, sind noch rauh und ungeglättet, ohne allen Sculptur- und Hieroglyphenschmuck, oben aber sind ihre Mauern über ihre ganze Breite hin durchbohrt, um die Balken anbringen zu können, an denen die Flaggenstangen be­festigt wurden, welche gewöhnlich vor solchen Pylonen standen.

Durch das Portal treten wir in den Vorhof, der mit vielem Schutt angefüllt, aber rechts und links noch durch Säulengänge ge­säumt ist. Er hat eine Tiefe von 275 und eine Breite von 329 Fuss. In die Reihe zur Rechten, gegen ihr jenseitiges Ende tritt die wohl- crhaltene Pylonfront eines später hinzu gekommenen Tempels. Lassen wir ihn, um an der einen Kolossalsäule emporzublicken, die allein noch steht von einer freien Doppelreihe, welche einst mitten durch die zweite Hälfte dieses Vorhofs ging. Die andern liegen, in die einzelnen Blöcke, aus denen sie zusammengesetzt waren, zerfallen, wie Schichten gewaltiger Mühlsteine um sie herum. Ihre Kapitaler hatten die Kelch­form. Wir sehen von hier in die Tiefe eines mächtigen Säulensaals hinein, wo sie noch stolz in geschlossenen Gliedern stehen. Die Pylon­flügel, welche auch diesen Säulensaal gegen den Vorhof hin decken, sind grossentheils zusammengestürzt, zwei ungeheure Quaderhügel zur Rechten und zur Linken. In der Mitte stehen die Reste des hohen Portals mit einem Vorgemach von sculpturgesehmückten Riesenpfeilern.