Theben.
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die übrigen Theile des Tempels duvcligeliends von graugelbem Sandstein erbaut sind, und zerfällt in zwei Kammern, die von zahlreichen kleinen Gemächern umgeben sind.
Hier wohnte Amun, der blaue Gott mit den zwei hohen steifen, in bunte Felder getheilten Federn auf dem Haupte. Er war der Verborgene, der Urgeist, der sich aber zur Sonne verkörpert hatte und als solcher Amunre hiess. Sein Name ging weit, und sein Beicli war alt. Mehr als drei Jahrtausende liegen in diesen Trümmern begraben, und die Zukunft wird hier noch manches Kunstwerk auferstehen heissen.
Wenn wir weiter gehen, so stossen wir in der Mitte dieses Hinterhofs und genau in der Achse der ganzen Anlage auf zwei granitne Fussgestelle, eines neben dem andern, die auf verschwundene Kolosse oder Obelisken schliessen lassen. Auf Kolossalstatuen deutet der Umstand, dass sie nicht viereckig sind. Vielleicht stand aber auch hier der grösste von allen, den Aegyptens Kunst schuf, der 99 Fuss hohe Obelisk von Bom. Er gehört wie jene in die Zeit des Königs Thoth- mes III. und zeigt diesen Herrscher unter seiner Pyramidalspitze knieend und vor Amun von Theben ein Trankopfer spendend. Kaiser Konstantin hat ihn zu einer Zeit hier wegführen lassen, wo Theben schon wüste lag, und jetzt steht er auf dem menschenleeren Platz der lateranischen Basilika.
Unmittelbar hierauf folgt der Säulenpalast des dritten Thoth- mes. Seine Aussenmauer ist, mit Ausnahme der Nordost-Seite, völlig zerstört. Parallel mit den vier Aussenwänden läuft eine Beilie viereckiger Pfeiler, 32 an der Zahl, und in der Mitte befinden sich 20 Säulen in zwei Reihen. Eine seltsame Laune, wie es scheint, hat an letztem die gewöhnlichen architektonischen Verhältnisse umgekehrt, indem die Säulen auf dem Kopfe, das heisst auf dem Kapital stehen, dessen Kelchform auf diese Weise in die Glockenform verwandelt ist. Das ersteigbare Dach, welches früher glatt war, jetzt aber etwas wellenförmig geworden ist, spannt sich mit langen Steinen darüber, d. h. von der Fensterwand auf den Pfeilern über die gleich hohen Säulen der Mitte. Kleinere, nicht mehr überdachte Gemächer schliessen sich diesem Hauptsaal an. und wir können — allerdings mit einiger Schwierigkeit — noch zwischen den Steinen hinabsteigen in ein zweites Allerheiligstes, die Hauskapelle des Königs, in deren Nachbarschaft man einen hieroglyphengeschraiickten Thron mit den unteren Theilen von zwei sitzenden Statuen, beide von w'eissem Marmor ausgegraben hat.
In einer andern von den Seitenkammern (rechts) befand sich einst eine hohe historische Kostbarkeit, die jetzt auf der pariser Bibliothek ist. Wenn man eintrat, erblickte man in Stuck gebildet an jeder der Wände vier Reihen sitzender Figuren (jede enthielt 15 Personen) über einander, und über jeder war ein Königsname angegeben. Es waren die 60 Begierungsvorgänger Thothmes des Dritten, ob alle oder blos die ihm verwandten, wissen wir nicht. Gewiss ist nur, das3 die meisten Namen jenen theb aischen Dynastien angehörten. welche während der Fremdherrschaft des Hyksos hier zu Lande eine Scliein-