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III. In Österreich (1840 bis 1848)
richtet, um diese traurigen Zustände zu charakterisieren. „In diesem Winkel der Monarchie“, schreibt er von Brody aus, „hört mit der Chaussée auch die Civilisation gänzlich auf. Von Brody bis zur russischen Grenze führt keine Chaussée mehr — sondern es fährt jeder durch Sand und Wald, wo er kann und mag; crepierte Pferde und Ääser aller Art liegen im Felde frei umher — und die russische Grenze ist völlig hermetisch geschlossen — gerne kehre ich gegen Lemberg zurück. Soeben höre ich den Postillon blasen — und nehme also den Brief mit nach Lemberg, da ich in neun Stunden dort zu sein hoffe.“ Und in einem anderen Briefe aus Jaroslaw heißt es: „Das Land ist wie geschaffen für Eisenbahnen; es gibt endlose Flächen und hie und da selbst passable Gegenden; sonst sieht es aber sehr düster aus: der Himmel ist graublau, die Sonne sieht aus wie der Mond und der Mond wie ein Leib Emmenthaler. Von dem Leben in den Gasthäusern, meistens von Juden beworben, will ich Ihnen nichts sagen. Sie würden es nicht glauben!“
Die Arbeiten der Ingenieure wurden durch die politischen Wirren in Galizien, die im Frühjahre 1846 eine ernste Gestaltung annahmen, wesentlich verzögert.
„Den Sinn der Revolution“ — so berichtet Negrelli am 2. März 1846 nach dem Verluste Krakaus an Direktor Escher — „begreift noch Niemand. Den Anfang haben die Adeligen gemacht. Sie wollten die in com- munistischem Sinne bearbeiteten Bauern aufwiegeln und sie zur Erreichung aristokratischer Zwecke voranschicken. Die Bauern haben aber wohl eingesehen, daß, wenn auch die Regierungspartei aus Polen vertrieben würde, sie unter dem aristokratischen Regimente der Adeligen sich schlechter als jetzt befänden — und als man sie zwingen wollte, offen gegen die Regierung auf-