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HI. In Österreich (1840 bis 1848)
niedliche, zarte Mädchen, erst 25 Jahre alt, in strenger Zucht, in gutgeordneten Verhältnissen aufgewachsen, wohl gebildet und fromm, schien Negrelli die rechte Mutter für seine Kinder — und da auch sein Herz mitsprach und er in dem Mädchen sein Ideal zu erblicken schien, so warb er um sie und errang sie sich. Die Trauung fand am 1. Juni 1847 statt; Bruder Nikolaus, damals Erzieher des Eugen Grafen Larisch, vollzog die heilige Handlung in der Pfarrkirche zu Maria Hietzing; als Trauzeugen waren Franz Josef Erb.
k. k. Hofrat — ein Schwager der Braut — und Carl Ghega, k. k. Rat, anwesend.
Wie es einst die Tagebücher waren, so werden nun die Briefe Negrelli’s an seine Lotti die wichtigsten Dokumente seines Schaffens und seines Seelenlebens.
Am letzten Oktober 1847 schied Negrelli dauernd aus dem Dienste der Kaiser Ferdinands-Nordbahn; am
l. November desselben Jahres wurde er definitiver Inspektor der k. k. Generaldirektion der Staatseisenbahnen mit 1800 Gulden Gehalt, 700 Gulden Funktionzulage, 300 Gulden Quartiergeld; die Nordbahn-Gesellschaft war ihm, in Wertung seiner ihr geleisteten Dienste, in jeder Beziehung vornehm entgegengekommen. Ein Erlaß der Generaldirektion bestimmte, daß Ghega — da er schon im Jahre 1844 definitiv bestätigt worden war — unter den Inspektoren den ersten, Negrelli den zweiten, Schmid den dritten Rang einzunehmen habe. Für Negrelli, der schon seit 1842 in den Diensten der Staatsbahnen, allerdings nur „leihweise“ wirkte, lag ohne Zweifel eine Kränkung in diesem Erlasse; aber die Entscheidung fußte auf einem Hofkammer-Präsidial-Dekret, das auch für Fransesconi bindend war; es konnte keine Ausnahme geschaffen werden.