2. Im Dienste der Generaldirektion der Staatsbahnen 203
sie wieder zurück in sein Wiener Heim und leitet unmittelbar und persönlich ihre Erziehung.
Mitten unter den Geschäftsbriefen und den Entwürfen für Erledigungen amtlicher Angelegenheiten und für Gutachten findet sich, vom 31. März 1847 datiert, auf dem Krankenlager geschrieben, ein Brief. „Liebe theure Lotti!“ Dieser Brief, in dem er für die Annahme seiner Werbung dankt, eröffnet eine Reihe von Liebesbriefen, die Negrelli in rascher Folge von seinen Reisen dem geliebten Mädchen sendet ... Es liegt über allen diesen Briefen jener Hauch der Poesie, der für Keinen, der je geliebt, etwas befremdendes hat . . . Es ist die alte Geschichte, die ewig neu bleibt . . . wie zart, wie aus tiefinnerster Seele geschöpft — und wieder wie stürmisch, wie mächtig auflodernd klingt es in den Zeilen, wenn Negrelli seiner entschlafenen ersten Frau gedenkt, wenn er gleichsam Bande knüpft zwischen ihr und der kommenden, wenn er hinweist, wie der „Engel oben“ selig herablächeln wird auf den Engel, der hier unten wandelt, denn ihn glücklich verheiratet zu wissen, war der reine, schöne Wunsch der Scheidenden — wenn er von dem Glücke seiner Kinder spricht, denen wieder eine gute Mutter gegeben werden soll — wenn er, fern von der Heimat sie bald um Dieses, bald um Jenes für die Kinder bittet — wenn er wieder und wieder, immer in anderen Worten jubelt: „an Ihnen habe ich jene Saiten der Seele wieder erklingen gefühlt, welche längst verklungen zu sein schienen“.
Lotti hieß in Wirklichkeit Caroline; sie war eine Tochter des mit vierzehn Kindern gesegneten k. k. Staats- und Konferenzrates Joh. Bapt. Weiß Edlen von Starkenfels. Eine ganz unpoetische Gelegenheit hatte Negrelli in das Haus des Rates geführt. Das