Herr erhörte uns und sandte günstigen Wind . - Nacheiner 4 . Tage langen fahrt kammen wir vor Schubra1 ,dem Lustschloße des Paschas und dem Barage ( einengroßen Wehre im Nil ) vorbey nach Cairo . - Da in derStadt die Thore um 9 . Uhr gesperrt werden , so mußtenwir diese Nacht ( da wir erst um 10 . Uhr ankammen )noch zum letzten Mahle auf unsere Pritschen schlafen .Des andern Morgens waren wir schon sehr früh aufden Beinen und nachdem die Duan ( Zoll ) Beamtenuns ein wenig sekirt hatten , setzten wir uns inden bereit stehenden Omnibus des Hotels d ' Ori-ent und fuhren ins Gasthaus . - Wir kammen na-türlich wie Schweine dort an , daher auch unsererstes Geschäft das Baden war . - Nachdemwir uns so gereiniget hatten , waren wir wieneugeboren , und besichtigten die Stadt . - Cairoist viel schöner wie Alexandrien , nicht was dieBauart der Häuser , sondern die Gegend betrifft .Da es unmittelbar am Nil liegt , ist die Vege-tation auch viel frischer und lebhafter als inletzterer Stadt . - Vor dem Hotel d ' Orientsind mehrere Aleen angebracht , wo abends sich
die schöne türkische Männerwelt versammelt und eineräußerst mißtönenden arabischen Musik mitgroßem Behagen zuhört2 . - Das Hotel selbstist viel eleganter als das Hotel d ’ Europe inAlexandrien und überhaupt so confronntabel einge-richtet , als man es sich nur wünschen kann . -Des andern Morgens besichtigten wir die Merk würdigkeiten in und um Cairo . - Zu letzteren ge-hören auch die Piramiden von Gizeh , die größtenin Egypten . - Wir nahmen uns zu diesem ZweckeEsel und ritten 1 ½ Stunden außer Cairo durch Ale-en und Palmenwäldern nach Gizet . - Der Eindruck ,welchen die Piramiden hervorbringen ist schwerzu beschreiben . Ich glaube der profanste Menschwird innig ergriffen von diesem Weltwunder3 .Diese Riesenbauten geben den Beweis , welchhohe Stufe der Kultur die Bewohner diesesLandes schon im frühesten Alterthume erreichthatten . - Viele Jahrhunderte sind vergangenspätere Bauwerke sind längst in Trümmerzerfallen , aber auf die Riesenmauerwerke habenZeit und Wetter wenig Einfluß ausgeübt , - viele
Schubra al-Chaima (Ansichten des Palasts: SD-01-3641/SD-01-3644/SD-01-3646 )
↩Kulturelles Unverständnis
↩Der 19. Jahrhundert ist von einer starken Begeisterung für die altägyptische Kultur und Kultur geprägt. Auslöser für die Ägyptenbegeisterung („Ägyptomanie“) in Europa waren vor allem zwei Ereignisse: der Ägypten-Feldzug von Napoleon Bonaparte (1878-1801) und die Entzifferung der Hieroglyphen (1822).
↩