Evrst Adolf Josef zv Schwarzenbergsche H5»)ROFIZVCKERFABRIKEN
POSTELB ERG BVDWEIS vhd SVEEOWITZ
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BÖHMEN
on diesen Fabriken wurden zwei schon im ersten Decennium der glorreichen Regierung Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. gegründet.Die zuPostelberg(beiSaaz) wurde am 12. Jänner 1853, jene in Sullowitz (bei Lobositz) im Herbste 1855 E Betrieb gesetzt. Die Fabrik in Budweis war 1873 als Actienunternehmung errichtet worden und gieng im Jahre 1876 durch Kauf in den fürstlichen Besitz über. Alle drei Fabriken sind durch Bahngeleise mit den benachbarten öffentlichen Eisenbahnstationen verbunden; sie producirten in früherenPerioden — Budweis vorherrschend — auch weisse Waare. Derzeit sind sie ausschliesslichaufRohzuckergewinnung dem Wesen nach gleichartig, nur dem Betriebsumfange entsprechend, nach Zahl und Grösse der Apparate verschieden nach dem modernen Diffusions-Verfahren eingerichtet, weshalb, um Wiederholungen zu vermeiden, eine nähere Beschreibung nur von der Zuckerfabrik Posteiberg in einer nicht blos für den Fachmann, sondern womöglich auch allgemein verständlichen Fassung weiter unten folgen soll. Der gegenwärtige Stand und die Entwickelung der Leistungsfähigkeit der drei Fabriken ist ausgesprochen in der täglichen Rübenverarbeitung, welche zusammen ursprünglich 3120 Metercentner betrug, jetzt durchschnittlich 14.500 Metercentner erreicht, indem sie bei Posteiberg von 672 auf 8000, bei Budweis von 2000 auf 4000, bei Sullowitz von 448 auf 2500 gestiegen ist.
Dem auf den Grossbetrieb hinzielenden Zuge der Zeit und der Concurrenz der Gross-Fabriken weichend, wurden 1890 und 1891 die bis dahin im Umfange der Sullowitzer Anlage bestandenen zwei fürstlichen Rohzuckerfabriken in Protiwin und Chlumcan (bei Laun) aufgelassen und gleichzeitig die Fabriken Posteiberg und Budweis auf den heutigen Stand durch die Firma »Maschinenbau-Actiengesellschaft vormals Breitfeld, Dan£k & Comp.« in grösserem Umfange reconstruirt und zugleich mit elektrischer Beleuchtung versehen.
Die Rohzuckergewinnung der drei bestehenden Fabriken erreichte in der Campagne 1894/95 zusammen 193.134 Metercentner.
Die Rübe wird bei Posteiberg und Budweis mit zwei Drittel, bei Sullowitz mit einem Drittel vom Grundbesitz der umliegenden fürstlichen Güter zugebracht; der Rest ist fremde Kaufrübe.
Der Rübensamen wird theils in eigenen Oekonomien unter Anwendung des Marek’schen Ausleseverfahrens gewonnen, theils von bewährten Zuchtanstalten bezogen. Die Fabriken beschäftigen im Ganzen durchschnittlich 1118 Arbeiter, für welche die Beiträge zu den Bezirkskrankencassen und zur eigenen Unfallversicherung zur Gänze aus den Betriebscassen eingezahlt werden, aus welchen überdies bei Unfällen den Arbeitern auch noch eine 25procentige Aufbesserung der gesetzlichen Renten zukommt.
Bei leichten Erkrankungen erhalten die Arbeiter ärztliche Behandlung durch den Herrschaftsarzt, sowie Medicamente unentgeltlich.
Nähere Beschreibung der Zuckerfabrik Posteiberg.
An der Rübenlieferung sind vorwiegend die fürstlichen Domänen Posteiberg, Zittolieb mit Tauschetin, theilweise auch Kornhaus, dann Kleingrundbesitzer von mehr als 50 Gemeinden des Umkreises im angegebenen Verhältnisse betheiligt. Die Rübe wird in der P'abrik und auf neun auswärtigen Filialwaagen übernommen und von diesen theils per Bahn, theils mit Gespannfuhrwerk zur Fabrik gebracht. Hier dient zur Deponirung der Rübe der Hofraum von 5 Hektar Fläche, der mit einem angrenzenden freien Felde durch Schienengeleise der Hauptbahn und einer transportablen Dolbergbahn verbunden ist. Daselbst kann der Rübenvorrath zum unmittelbaren Gebrauche nöthigenfalls bis zu dem für zehn Betriebstage nöthigen Quantum von 80.000 Metercentner angehäuft werden.
Den Verschubdienst auf den Hauptbahngeleisen besorgt eine eigene Locomotive.
Von den Hofmiethen, den einlangenden Bahnwaggons und Kippwagen rollt die Rübe in die Schwemmcanäle, die in vier Strängen den Hof durchschneiden, schwimmt in das Rübenwaschlocale, wird hier mittelst zweier Hubräder in die Waschmaschinen (Trommelwäsche mit Steinfänger) und von diesen durch Aufzüge in die zu oberst situirten, mit Goler’schen Messern armirten sechs Schneidemaschinen gehoben, wo sie durch Zerkleinerung in sogenannte »Schnitte« zur Saftauslaugung die Eignung erhält. Die hier entstandenen Rübenschnitte nehmen den Weg auf zwei Transporteuren zum Diffusionssaal, werden da in entsprechend grossen Füllwägen auf einer Hängebahn den Diffuseuren zu deren Füllung zugeschoben, welche bei einem gesammten Rauminhalte von 980 Hektoliter in zwei Reihen-Batterien, mit je 14 Gefässen mit Schiebedeckeln und seitlicher Entleerung, angeordnet sind.
In den Diffuseuren wird den Rübenschnitten durch Auslaugung ihr Saft entzogen; sobald dieser zur weiteren Verarbeitung abgesondert ist, werden die Schnitte in die unterhalb des Apparates befindliche Rinne geleert und aus derselben mittelst zweierTransport-Pressschnecken in die oberste Etage über dem Rübenwaschlocale befördert, von wo sie ungefähr zur Hälfte in bereitgehaltene Waggonets herabfallen, um in diesen auf einer Schienenbahn in den Schnittehof zur
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