VEREIN MÄHRISCHER ZUCKERFABRIKEN
A CTl'EN GESELLSCHAFT
OLMÜTZ.
iese Actiengesellschaft entstand im Jahre 1874 durch die Vereinigung der Actiengesellschaft der k. k. priv. Wisternitzer und Hulleiner Zuckerfabriken, der k. k. priv. Bedihoschter Zuckerfabriks- Actiengesellschaft und der Hodoleiner Spiritus- und Pottaschefabrik.
Bei seiner Gründung stand der »Verein mährischer Zuckerfabrikanten« unter der Leitung des Directionsvorstandes Moriz Primavesi, des Directionsvorstand-Stellvertreters Josef Weber und des Directionsmitgliedes Eduard Primavesi.
Zum Besitze der Gesellschaft gehören ausser den oben genannten Fabriken mehrere kleinere Etablissements, wie Mühlen, Brettsägen, ferner hat dieselbe auf acht Meierhöfen eine Gesammtarea von 10.000 Metzen unter dem Pfluge.
Was die Geschichte der einzelnen Stammunternehmungen betrifft, so wäre darüber folgendes Erwähnens- werthe zu berichten:
Die Zuckerfabrik Bedihoscht wurde im Jahre 1851 von Paul Franz Primavesi, Carl Anton Primavesi und Ignaz Seidl unter der Firma »K. k. priv. Bedihoschter Zuckerfabriks-Actiengesellschaft« gegründet und verarbeitete in den ersten Jahren ihres Bestandes mit acht Pressen circa 100.000 Metercentner Rübe per Campagne.
Im Jahre 1859 wurde die Zahl der Pressen auf zwölf erhöht und mit diesen der Betrieb bis zum Jahre 1871, in welchem das Saftgewinnungsverfahren mittelst Pressen überhaupt aufgegeben und das Diffusionsverfahren eingeführt wurde, fortgesetzt.
Im Verlaufe der Zeit fanden alle jene auf dem Gebiete der Zucker-Industrie auftauchenden Neuerungen und Verbesserungen, welche sich bewährt hatten, auch in Bedihoscht Eingang.
So wurde im Jahre 1877 zur Durchführung der Elution nach Scheibler-Seifferth (das Melasseentzuckerungsverfahren) eine grosse Maschinenanlage errichtet, welche bis zum Jahre 1889 im Betrieb blieb. Die Rübenschwemme (Wassercanal, Wasch- und Hub Vorrichtungen) wurde im Jahre 1892 angelegt, die elektrische Beleuchtung fand in demselben Jahre in die Fabrik Eingang. Schon seit dem Jahre 1870 ist das Etablissement mit der Nordbahnstation Bedihoscht in directer Schienenverbindung.
Die Fabrik, in der gegenwärtig 30 Dampfmaschinen mit 397 Pferdekräften im Gange sind, welche von 13 Dampfkesseln gespeist werden, ist zur Zeit mit allen modernen Apparaten und Vorrichtungen ausgestattet, die zu einem Etablissement neuesten Systems gehören.
Die Quantität der in der Fabrik verarbeiteten Rübe, sowie die Menge des erzeugten fertigen Productes ist allmählich bedeutend gestiegen.
Im Jahre 1871 wurden täglich 1600 Metercentner, im Jahre 1883 2500 Metercentner und gegenwärtig werden 4000 Metercentner Rübe während der Campagne verarbeitet; die derzeit jährlich von der Fabrik benöthigte Rübenmenge beträgt 300.000 bis 400.000 Metercentner; an raffinirtem weissen Zucker werden pro Jahr 120.000 Metercentner erzeugt.
Täglich werden jetzt an fertiger Waare 600 Metercentner weissen Zuckers, und zwar 450 Metercentner Brot- waare und Pilé und 150 Metercentner Würfelzucker und Zuckermehl hergestellt.
Die Zuckerfabrik Gr.-Wisternitz wurde im Jahre 1850 von den Herren Carl Anton Primavesi, PaulFranz Primavesi und Joh. Nep. Siegl unter der Firma »K. k. priv. Gr.-Wisternitzer Zuckerfabrik« gegründet. Dieselbe verarbeitete in der ersten Campagne 1850/51 mit sechs Pressen nur 5000 Metercentner Rübe. Es wurde daselbst anfangs ausschliesslich Brotwaare, seit 1871, nach Errichtung einer grossen Piléstation, auch Pilé erzeugt, jedoch die Arbeit auf weisse Waare später aufgegeben. Nach Einführung der Diffusion im Jahre 1874 wurde die Productionsfähigkeit bedeutend ver- grössert, und kann die Fabrik gegenwärtig, mit Rübenschwemme, 14 Diffuseuren, dreifacher Saturation, Osmosestation etc. etc. zeitgemäss eingerichtet, täglich bis 4000 Metercentner Rübe verarbeiten. Die Fabrik ist elektrisch beleuchtet und seit achtzehn Jahren durch eine Schleppbahn mit der Station Gr.-Wisternitz verbunden.
Bei vollem Betriebe sind 5 Tischbeinkessel im Feuer, welche 12 Dampfmaschinen speisen.
Im Jahre 1862 errichtete die k. k. priv. Wisternitzer Zuckerfabrik eine Filiale in Hullein, welche den Namen »Hulleiner Zuckersiederei« führte, und änderte im Jahre 1865 die Firma in »K. k. priv. Wisternitzer und Hulleiner Zuckerfabriks-Actiengesellschaft«.
Die Hulleiner Fabrik verarbeitete anfangs täglich circa 500 Metercentner Rübe und erzeugte bis zum Jahre 1872 nur Brotwaare. In diesem Jahre wurde das Scheibler’sche Centrifugal-Piléverfahren eingerichtet und im Jahre 1873 die Diffusion eingeführt, wodurch die Rübenverarbeitung auf 1800 Metercentner täglich gesteigert werden konnte. Nach Einführung des Osmoseverfahrens im Jahre 1876 und nach Vergrösserung der Kesselanlagen im Jahre 1882
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