von 668 auf 1148 Quadratmeter Heizfläche wurde die Fabrik im Jahre 1889/90 schliesslich vollkommen reconstruirt. Es wurden die Kesselanlagen zur Erzielung einer Dampfersparnis respective Verminderung des Kohlen Verbrauches vollständig neu angelegt, eine Rübenschwemme errichtet und eine Vermehrung und Vergrösserung der Rübenverarbeitungsmaschinen vorgenommen.
Auch die elektrische Beleuchtung wurde in diesem Jahre eingeleitet. Mit allen bewährten Neuerungen versehen, erreichte die Fabrik eine derartige Leistungsfähigkeit, dass dieselbe gegenwärtig 6000 Metercentner Rübe täglich verarbeiten kann. 11 Kessel liefern 16 Dampfmaschinen mit 356 Pferdekräften den erforderlichen Dampf. Die Fabrik ist elektrisch beleuchtet und mit dem Bahnhof durch eine Schleppbahn verbunden.
Alle drei Zuckerfabriken sind seit ihrem Entstehen berechtigt, den kaiserlichen Adler zu führen.
In den Bezitz des »Verein mährischer Zuckerfabriken« gehört auch die Hodoleiner Spiritus- und Pottaschefabrik, deren Errichtung in das Jahr 1862 fällt.
Zur Verarbeitung gelangt seit dem Gründungsjahre bis jetzt ausschliesslich Melasse. Die Hefe wurde bis zum Jahre 1888 aus Malz bereitet und das Malz in der Fabrik selbst hergestellt; von da ab wird zur Hefebereitung Mais, Mehl, Korn und Kleie verwendet.
Vom Jahre 1862 bis 1869, während welcher Zeit drei gewöhnliche hölzerne Pistori’sche Brennapparate in Verwendung standen, wurde nur Rohspiritus erzeugt. Die Schlempe wurde in einfachen Abdampf- und Verbrennungsöfen eingedampft und zu Schlempekohle verbrannt; diese wiederum wurde einfach ausgelaugt, und durch Calciniren der resultirenden Laugen gewann man die calcinirte Pottasche. So wurde eine jährliche Production von circa 11.000 Hektoliter Rohspiritus und 3000 Metercentner Pottasche erzielt.
Im Jahre 1869 wurde ein Rectificirapparat von Savalle aufgestellt und die Erzeugung von 96—96'5%igen Feinsprit aufgenommen.
Das Jahr 1885 brachte eine Cassirung der alten hölzernen Brennapparate und deren Ersatz durch einen Destillirapparat »System Ilges«, welcher ein Quantum von 60 bis 70 Hektoliter bis 93'%, starken Rohspiritus innerhalb 24 Stunden zu liefern im Stande ist. Statt der vorhandenen einfachen Verbrennungsöfen wurden im selben Jahre zwei neue Porionöfen aufgebaut. Im Jahre 1891 wurde die elektrische Beleuchtung in den Fabriksräumlichkeiten installirt.
Nachdem schon in den Jahren 1894 bis 1895 ein Raffineriefreilager und eine Denaturirungsstätte errichtet und eine Geleiseverbindung mit dem Olmützer Nordbahnhofe hergestellt worden war, schritt man 1896 zu einer völligen Reconstruction der Fabrik. Sämmtliche Gährbottiche k 50 Hektoliter wurden cassirt und hiefür acht neue Gähr- bottiche zu 220 bis 250 Hektoliter Inhalt mit einem Gesammtfassungsraume von 1778 Hektolitern angeschafft.
Im Destillationslocale ist die alte Einrichtung, bestehend aus dem Ilges’schen Destillirapparat mit Maischpumpe, Dampf- und Schlemperegulator und aus dem Savalle’schen Rectificirapparate mit Betriebsmaschinen und zwei Wasserpumpen erhalten geblieben. Dagegen wurde die Verarbeitung der Schlempe gänzlich geändert und zu diesem Zwecke ein completes Triple-Effet mit Luftpumpe und dazu gehörigen Schlempe- und Brüdenpumpen, sowie ein Verbrennungsofen (System Gammer) zur Verbrennung der in den Verdampfapparaten eingedickten Schlempe aufgestellt.
Die Pottascheerzeugung selbst wurde nach den neuesten Erfahrungen eingerichtet und im grösseren Umfange betrieben. Zur Vergrösserung des erzeugten Quantums wird auch fremde Schlempekohle angekauft und zur Pottasche verarbeitet.
Nach allen diesen Erweiterungen und Veränderungen ist die jährliche Production der Hodoleiner Spiritus- und Pottaschefabrik auf 18.000 Hektoliter absoluten Alkohol (darunter 14.000 Hektoliter rectificirt) und 8000 Metercentner Pottasche gestiegen.
Der »Verein mährischer Zuckerfabrikanten« war auch jederzeit bestrebt, die Lage der in den einzelnen seiner Etablissements beschäftigten Arbeiter günstig zu gestalten und zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse beizutragen.
Schon lange vor der gesetzlichen Regelung der Arbeiter-Krankencassen bestanden solche in sämmtlichen vier Fabriken und wurden von der Unternehmung durch Beiträge unterstützt. Gegenwärtig sind den gesetzlichen Normen entsprechende Betriebskrankencassen vorhanden.
Durch Errichtung von vier Arbeiter-Wohnhäusern in Bedihoscht ist die Gesellschaft in der Lage, den dortigen Arbeitern gesunde und trotzdem billige Unterkunft zu gewähren. Daselbst sowie in Hullern dient ein Spital zur Pflege erkrankter Arbeiter.
Ueberdies gehören sämmtliche Angestellte aller vier Fabriken, die einen den Betrag von 400 fl. erreichenden jährlichen Gehalt oder Lohn beziehen, dem Pensionsinstitute der Mitglieder des »Assecuranzvereines von Zuckerfabrikanten in der österreichisch-ungarischen Monarchie« an; die Beiträge an dieses Institut werden von der Unternehmung geleistet.
Ein Beweis dafür, dass die Lage der Arbeiter eine verhältnismässig günstige ist, liegt darin, dass zahlreiche derselben eine langjährige Thätigkeit im Dienste der Gesellschaft aufzuweisen haben. So zählen
in Bedihoscht
43 Arbeiter
IO
bis 35 Dienstjahre
» Gr.-Wisternitz
31
IO
» 45
» Hullein
27 »
IO
» 36
» Hodolein
19
IO
» 33 »
Die Fabriken des »Verein mährischer
Zuckerfabriken«
zählen zu den ersterrichteten Zuckerfabriken
Oesterreichs. Von kleinen Anfängen ausgehend, haben sie allmählich an Umfang und Bedeutung zugenommen, und in ihrem Entwickelungsgange spiegelt sich die Entwickelung der österreichischen Zucker-Industrie überhaupt.
Die Leitung der Actiengesellschaft ruht gegenwärtig in den Händen des Directionsvorstandes Robert Primavesi, des Y orstand-StellVertreters Otto Primavesi und der Directionsmitglieder Carl Brandhuber und Eduard Primavesi.
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