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In der Heimat - In der Schweiz - In Österreich : mit einem Bildnisse / von Alfred Birk
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1. Primiero und Feltre

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Negrelli nicht zum großen Ingenieur gemacht, so wäre er gewiß ein großer Architekt geworden.

Das Jahr 1809 bringt eine Wandlung in den freundlichen Verhältnissen, die Negrelli umgeben; der Kriegslärm wird auch im Cismonetale fühlbar; zu den Freiwilligen, die sich den österreichischen Truppen anschließen, gesellen sich auch alle waffenfähigen Be­wohner Primieros. Angesehene Bürger und Patrioten, unter ihnen auch Angelo Michele Negrelli, damals ein Mann in der Vollkraft der Jahre, 2 ) organisieren aus eigenen Mitteln den Landsturm, den der Grundbesitzer Casimir von Bosio befehligt. Mit den kampfesfrohen Männern zieht auch die Schwester Josephine unseres Alois, ein blutjunges Mädchen gegen die Franzosen. Aber der Zug in die italienische Ebene nimmt ein rasches, trauriges Ende. Das geschulte französische Heer versprengt bei Feltre die Freiwilligen, die wohl besser getan hätten, sich in den unzugänglichen Talengen ihrer Heimat zu verschanzen und hier die feindlichen Truppen zu vernichten, als sich dem Feinde in offener Schlacht zu stellen. Wenige entkamen in die Berge und Schluchten, viele wurden von den französischen Reitern niedergesäbelt oder gefangen genommen und an den Schweifen der Rosse nach Feltre geschleppt. Im Tale von Primiero hielten die Franzosen strenges Gericht. Mit mehreren anderen angesehenen Mitbürgern wurde auch Alois Vater, dessen unerschütterliche Reichs- und Kaisertreue auch dem Feinde bekannt war, nach Italien gebracht und in dem Fort Palanza gefangen gesetzt.

Der Friedensschluß im Jahre 1814 bringt ihm die Freiheit wieder; er darf in seine Heimat zurückkehren. Hier war vieles anders geworden. Der langwierige Krieg und die rücksichtslose Fremdherrschaft machten