116
II. In der Schweiz (1832 bis 1840)
Die technischen Ergebnisse seiner Studienreise faßt Negrelli in einem „Anhänge“ zusammen, in dem er auch Schlußfolgerungen aus denselben für seine neue und seine alte Heimat zieht, für die Schweiz und Tirol, in welch beiden Ländern die Frage der Ober- schienung hoher Gebirge immer mächtiger zur Lösung drängt. Negrelli hat die Eisenbahn von Lyon nach St. Etienne besucht; er findet sie fast fehlerfrei, so lange sie dem Laufe der Rhone folgt; sobald sie aber im Tal des kleinen Gier sich mühsam emporringt, erscheint sie technisch unvollendet und die zu hoch gesteigerte Summe des Anlagekapitals kann sich nicht verzinsen. Auch die Eisenbahn von St. Etienne nach Roanne ist nur im Loiretal einwandlos — sobald sie hingegen „unnötigerweise abenteuerlich über Berge zieht und sich mühsam durch Felsengalerien durchwindet“, geht die vermehrte Geschwindigkeit — das „große Moment des neuen Kommunikationssystems“
— verloren. Bei der prunkvollen Eisenbahn von Paris nach St. Germain verschlingen die großen Tunnels mit ihrer beständigen Gasbeleuchtung, die drei großen Seinebrücken und die vierfachen Geleisespuren ein solches Kapital, daß die Renten dieser Bahn, solange sie nicht bis zum Meere geführt wird, schwerlich den festgestellten Erwartungen entsprechen dürften.
In England und Belgien liegen die Verhältnisse günstiger als in Frankreich. Die englische Südbahn von London ans Meer — die alte Eisenbahn von Surey — die Riesenbahn von London nach Liverpool
— die zahlreichen Privateisenbahnen Englands, die sich täglich vermehren; Belgiens Eisenbahnen mit ihren ungeheuer niederen Fahrpreisen — sie alle verzinsen! ihr mehr oder weniger bedeutendes Anlagekapital, weil sie auf guten Handelsspekulationen, z. B.