2. Im Dienste der Oeneraldirektion der Staatsbahnen 177
Gegenstand einer heftigen Fehde in den Fachkreisen und in der Öffentlichkeit bildete der Bahnhof in Stuttgart. Seine Lage war nach langen Verhandlungen festgelegt worden; aber nun stand eine neue Frage im Vordergrund: die Zweckmäßigkeit der projektierten Einrichtung und Anordnung des Bahnhofes. Oberfinanzrat Knapp, der Vorstand der Eisenbahn-Kommission, pflog mit Negrelli in dieser Sache eine Besprechung und erbat dann von ihm über Auftrag des Finanzministers von Gärtner, in dessen Ressort das Eisenbahnwesen fiel, ein ausführliches Gutachten.
Zeitgemäße Auffassung der Verhältnisse und weitschauende Voraussicht bilden den Grundzug des Berichtes; fast jeder Satz, der hier als Richtschnur für die Erörterung der einzelnen Fragepunkte aufgestellt ist, hat im großen Ganzen noch heute seine Berechtigung. Allerdings wurde den Anregungen Negrellis seitens der Eisenbahnkommission nur in einigen Beziehungen Folge gegeben, wobei vorwiegend örtliche Verhältnisse entscheidend waren. Obwohl ihm der Bereich seiner Äußerung scharf umschrieben ist, nimmt Negrelli doch Anlaß, darauf hinzuweisen, daß die neuesten Erfahrungen im Bau und Betriebe von Eisenbahnen die Richtigkeit jener Grundsätze dargetan haben, die er seinerzeit für die Linienführung der Bahnen in Württemberg aufgestellt und die — wie er nicht ohne Verstimmung betont — nicht voll beachtet worden sind. Stramm verteidigt Negrelli die Ingenieure Württembergs gegen die Vorwürfe, die der als Experte berufene englische Ingenieur und Professor Vignoles, ein Vertreter des atmosphärischen Bahnsystems, in seinem Gutachten erhebt — und sehr bestimmt ersucht er um Richtigstellung irrtümlicher Angaben über seine Äußerungen in den offiziellen Berichten der Eisenbahn-Kom-
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