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III. In Österreich (1840 bis 1848)
Seilschaft ging damals schon der Vorschlag aus, eine Eisenbahn vom Bodensee über den Arlberg und durch das Finstermünztal nach Innsbruck zu bauen; man darf sich nicht wundern, wenn dieses Projekt zu jener Zeit, da noch nicht einmal der Semmering überschient war und die Ingenieure vor Tunnels von wenigen Kilometern Länge zurückschreckten, als „wahres Hirngespinst“ bezeichnet wurde. Selbst Basel warb um englisches Qeld für seine Einbruchslinie in die innere Schweiz.
Und auch in politischer Hinsicht war die Zeit dem Bestreben Negrellis günstig. Der Kampf um Klöster und Jesuiten in der Schweiz hatte eine ungemein ernste und schließlich kritische Wendung genommen; der Sonderbund einiger Kantone trat offen hervor, die Liberalen zu bekämpfen. In dem Augenblicke, da in Zürich alle Kantone versammelt waren, eröffnet Negrelli seinen Feldzug. Er schreibt an Martin Escher: „die politische Färbung der Schweiz fängt an, fahl zu werden — die Schweiz muß wieder Anteil nehmen an dem mächtigen Hebel der Industrie und des Handels — sie soll nicht nur an ihren Eingeweiden zehren, nicht Gegenwart und Zukunft, die Winke der Zeit ganz außer Acht lassen. Erwirken Sie durch Besprechung mit den betreffenden Gesandten die Bewilligung zum Baue einer Eisenbahn von Basel bis Zürich . . . Laufen Sie Sturm bei Ihrer Regierung, vergessen Sie die Farbe der anderen Regierungen, treten Sie kräftig, allein oder mit einigen Freunden an die Spitze dieser Unternehmungen, welche die neue Pulsader schweizerischer Industrie und Verkehrs werden soll.“ Die traurigen Nachrichten, die einige Tage darnach — jener Brief ist am 20. März 1845 nach Zürich abgegangen — aus der Schweiz nach Wien kommen und von den Zusammen-