2. Im Dienste der Generaldirektion der Staatsbahnen 187
anschlag für die Strecke Zürich—Baden kann nicht festgehalten werden; die Hochwasser der Sihl bereiten schwerwiegende und kostspielige Störungen; die Kosten des Grunderwerbs wachsen auf das Doppelte bis Dreifache der Veranschlagung; das neue Expropriationsgesetz Aargaus erschwert und verteuert die Grundeinlösungen.
Am 6. Mai 1847 findet in Gegenwart Negrellis die erste Fahrt mit der Lokomotive von Zürich aus im Sihl- tale bis gegen Schlieren statt. „Das Staunen der Menge“ — schreibt Negrelli aus Zürich — „da diese die erste Fahrt in der Schweiz war, läßt sich nicht beschreiben, sowie die Dankbarkeit der Direktion keine Grenzen kennt. Da alles Personale, alle Maschinen und Wägen, alles neu und ungeübt war, kann ich nicht leugnen, daß es mir nicht ganz wohl um das Herz war, bis ich nicht wieder in den Bahnhof einlief. Darauf hin hat mir die Direktion ein prächtiges Souper gegeben.“
Der 7. August 1847 bringt die feierliche Eröffnung der Linie von Zürich bis Baden (Aargau). Negrelli kann daran nicht teilnehmen. Direktor Escher berichtet ihm von der glänzenden Abwicklung des Programmes. Von anderer Seite aber erhält Negrelli eine Nachricht, die ihn arg verstimmt. Man hat die Eisenbahningenieure und sonstige Eisenbahnbeamten in Baden von den übrigen Gästen mit Zurücksetzung getrennt, sie „am Katzentischerl mit niedrigen Preisen traktiert, man hat auch keinen Unternehmer eingeladen . . .“ Negrelli findet diesen Mißgriff unbegreiflich; er tadelt ihn mit scharfen Worten: „Das technische Personale und die Unternehmer sind die rechte Hand aller Direktionen; wenn sich diese der Techniker erwehren zu können glauben und von sich allein stark genug fühlen, Alles selbst besorgen zu können, so