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III. In Österreich (1840 bis 1848)
liberale Sache glücklich verlief, dauerte nur zwanzig Tage und forderte nur wenige Opfer: 78 Tote und 260 Verwundete. Negrellis Briefe, die er nach dem Siege der liberalen Tagsatzungsmehrheit an Escher und besonders an Kubly richtet, atmen bereits tiefe Verstimmung, ja geradezu Erbitterung über die Vorgänge in der Schweiz, die er auf seinen Reisen künftig meiden will, und über „die Art, wie in den unterjochten Kantonen das Recht des Siegers gehandhabt wird: die massenhafte Verantwortlichkeitserklärung der souverainen Großen Räthe, die Confiscationen an Gut und Ehre derselben.“
Am 27. Dezember 1847 schreibt er an Escher: „Daß Sie für die Eisenbahnen in Bern und Aarau wieder tätig waren, wundert mich nicht. Würden alle Männer der Schweiz, welche jetzt das Regiment führen, für das Wohl des Landes sich so verwenden wie Sie, so hätte man die letzten Ereignisse nicht zu bedauern — und Glück und Wohlstand würden in Frieden überall auf- blühen. Für eine Fortsetzung der Bahn wird wohl gar keine Aussicht mehr seyn! Denn in einem Land, wo man mit dem Eigenthum von Corporationen so umgeht, wie dermalen in Freyburg, Luzern und Wallis der Fall ist, wird man sich, wenigstens im Auslande, wol besinnen, zu einer Unternehmung mitzuwirken, welche unter was immer für einen Vorwand, an einem schönen Morgen von irgend einer Mehrheit als gute Prise erklärt werden kann.“ Sein Herz und seine Gesinnung stellen Negrelli naturgemäß auf die Seite der konservativ-katholischen Partei; die Auflösung der Klöster, die Einziehung ihres Vermögens, die Profanation der Kirchen, die Eingriffe in die katholischen Institutionen des Landes werden von ihm entschieden verurteilt. Er glaubt in den Vorgängen in der Schweiz den Einfluß