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111. ln Österreich (1840 bis 1848)
Regierung war ernstlich bemüht, Handel und Industrie zu fördern — aber alles, was geschah, sollte durch sie geschehen, sollte der fürsorgende Staat tun, der allein ermessen kann, was den unmündigen, unreifen Völkern zum Heile gereicht. Auf dem Gebiete des Verkehrswesens herrschte regste Tätigkeit. Metternich und Kübeck standen hier auf gleichem Boden; Negrelli konnte von dem Fortschritte sprechen, der gemessenen Schrittes zum Ziele geht . . .
Am 4. August 1845 hatte die erste Probefahrt auf der Staatsbahn von Pardubitz bis Prag, am 21. August die feierliche Eröffnungsfahrt der nördlichen Staatsbahn von Olmütz bis Prag stattgefunden. „Der Zug“ — jubelt Negrelli noch denselben Abend nach Zürich an Direktor Escher — „ist vollkommen gelungen! Ich brachte mit der Hilfe des Himmels gestern den Thronfolger und die Kraft der österreichischen Monarchie in zehn Stunden von Olmütz bis Prag, mit Einschluß der Empfänge und Feierlichkeiten in den Zwischenstationen. In Prag war der Empfang unermeßlich — über hunderttausend Menschen waren da zusammengeströmt. Es war am Tag wie bei der Einweihung unserer Münsterbrücke — und Freudentränen entströmten meinen Augen bei der allgemeinen Anerkennung. Dabei hatte ich das Vergnügen, auch bei dieser großen Feyerlichkeit einen Schweizer, den Staatsrat Favarger aus Neuchâtel als Gast dabei zu haben. Um sechs Uhr war großes Bankett von sechshundert Personen im Rittersaale der k. Burg — um zehn Uhr Reunion auf der Färberinsel. Morgen ist Grundsteinlegung, Parade, Academie und Abends Ball paré, übermorgen fahren wir zurück nach Wien.“ Eine Nachschrift lautet: „Soeben bringt mir die Deputation des Magistrats das Diplom als Ehrenbürger von Prag.“