2. Im Dienste der Generaldirektion der Staatsbahnen 199
ten an mehreren Stellen gleichzeitig in Angriff zu nehmen. Eine Vereinigung hervorragender Adeliger mit dem Fürsten Sapieha an der Spitze plante die Eröffnung einer durchgehenden Schiffahrt vom Dnjester aus bis Odessa, um Lemberg mit dem Schwarzen Meere in Verbindung zu bringen und diese Stadt für den Verlust zu entschädigen, den ihr das in Verkehrs- und handelspolitischer Hinsicht weitaus bevorzugte Krakau zufügen mußte. Die Ausführung all dieser Pläne scheiterte sehr bald an dem Ausbruch und der Entwicklung der politischen Unruhen in Österreich.
Von Jahr zu Jahr hatte die Verwaltung der Kaiser Ferdinands-Nordbahn über Wunsch des Freiherrn von Kübeck den Urlaub Negrellis verlängert. So ehrenvoll dies für ihn war, so empfand Negrelli es doch sehr unangenehm, in einer Zwitterstellung zu sein, die ihm stets eine ungewisse Zukunft vor Augen führte. Die Nordbahn hatte für ihn einen Stellvertreter berufen — die Bautätigkeit war nicht ausreichend für zwei hoch- bezahlte Fachleute: er mußte befürchten, bei seiner Rückkehr zur Nordbahn, an die ihn ein lebenslänglicher Vertrag band, als überzählig betrachtet und behandelt zu werden. Der Qedanke, bei der Nordbahn auszuscheiden, scheint ihm frühzeitig gekommen zu sein; aus Briefen, die nach der Schweiz gingen, könnte man sogar auf seine Absicht schließen, sich vollständig frei zu machen. Im Jahre 1845 aber erstrebt er ernstlich den Eintritt in den Staatsdienst. Hier harrt seiner Schaffensfreudigkeit und seiner Arbeitslust ein weites Feld erfolgreicher Tätigkeit. Die Aussichten auf eine solche, durchsetzt von neuen bedeutsamen Aufgaben und anregenden Problemen, steigern sich noch im