i§5Z in Karlsruhe geboren. Der meiner Taufe erhielt ich seinen Vomamen Bertbold.
Mein Vater war damals Großherzoglich Badischer Auditor, eine Amtsstellung, die man später Kriegsgerichtsrat nannte. Meine Mutter stammt aus dem oberbadischen Adelsgeschlecht von Stoek- lern zu Grünholzek. Ein Jahr vor meiner Geburt hatten die Eltern mit dem bescheidenen Gehalt eines Auditors ihren Hausstand begründet.
Meine Vorfahren sind zumeist Beamte oder Geistliche gewesen. So war mein Großvater väterlicherseits siebenunddreißig Jahre lang Hofprediger in Karlsruhe. Er starb, als ich acht Jahre alt war, ehrlich betrauert von seiner Gemeinde und dem fürstlichen HauS.
Noch deutlich steht meine Großmutter mit ihrem lieben Greisinnengesicht vor mir, in großer Krinoline und einer Spitzenhaube auf dem weißen Haar. Sie war die Tochter des in seiner Zeit sehr bekannten badischen Musikdirektors Brandl. Als Schüler durfte ich mehrmals die Ferien bei ihr verbringen. Untrennbar war sie von ihrem ebenso treuen wie ungemein häßlichen Hund „Kaliban", ein Tier von so seltener Rasse, daß ich in meinem ganzen Leben nie wieder einen Hund von auch nur annähernd gleicher Scheußlichkeit gesehen habe. Meine Erinnerungen an „Kaliban" sind zudem durch seine Gewohnheit getrübt, mir bei jedem Besuch die Hosen zu zerreißen. Meiner Liebe zu der Großmutter tat das aber keinen Abbruch. Sie war eine echte Pfarreröfrau mit dem Herz auf dem richtigen Fleck und hatte ihrem Gatten vierzehn Kinder geboren. Bei ihrem Tode wurde sie von einunddreißig Enkeln und sechs Urenkeln betrauert.
Mein Großvater mütterlicherseits war der Oberpostrat a. D. Carl von Stoeklem in Freiburg, die Großmutter eine geborene Schwenk. Als ich elf Jahre alt war, zogen die beiden zu meinen Eltem. An den Großvater erinnere ich mich genau. In langem Schlafrock, der um den Leib durch eine bunte Schnur mit Quasten zusammengehalten war, ein gesticktes Käppchen auf dem Kopf und eine lange Pfeife mit Porzellankopf im Mund, die meine Großmutter stopfen und anbrennen mußte, so saß der alte Herr tagaus tagein im Lehnstuhl und laS ein Buch nach dem anderen. Meine Aufgabe war, ihm immer neue Bücher aus der Museumsbibliothek
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