Zehntes Kapitel
d) 9. September wurde ich mit meinem Stab ziemlich am Anfang -V^der ganzen Transportbewegung meines Korps in St. Quentin ausgeladen. Dunkle, unkontrollierbare Gerüchte über einen Rückschlag der deutschen Offensive an der Marne schwirrten durch die Luft. In den Straßen der alten Provinzstadt standen die Einwohner in kleinen Gruppen aufgeregt tuschelnd zusammen. Wir fühlten alle, daß etwas Ernstes geschehen war, obwohl offizielle Nachrichten fehlten. Unsere Besorgnis wuchs, als am nächsten Tage der Antransport der Truppen ins Stocken geriet.
Die Belgier hatten nämlich am 9. September von Antwerpen aus einen Vorstoß gegen unsere Hauptverbindungslinie Köln— Brüssel gemacht. Zur Unterstützung der Belagerungstruppen des Generals v. Beseler wurden fünf Bataillone, eine Eskadron und vier Batterien meines Korps bei Löwen und Tirlemont ausgeladen und in den Kampf geworfen. Erst am iz. September wurden sie nach Abwehr des belgischen Vorstoßes wieder frei und dem Korps nachgeführt. Abgesehen davon hatte ein schwerer Zugzusammenstoß bei Monö eine längere Sperrung der Transportstrecke verursacht.
Am n. September früh riß uns ein Heeresbefehl aus allen Zweifeln und Hoffnungen: „Feindliche Kräfte sind in Lücke zwischen i. und 2. Armee eingedrungen. Beide Armeen müssen daher in Linie Soissons—Reims zurückgenommen werden." Das Armeeoberkommando 7, dem ich mit meinem Korps unterstand, wurde angewiesen, sich mit Generaloberst von Bülow, der die l. und 2. Armee befehligte, wegen des Eingreifens der 7. Armee in Verbindung zu setzen. Außer meinem Korps war der 7. Armee das VII. Reservekorps unterstellt worden, das durch die Übergabe der Festung Maubeuge frei geworden war.
Jetzt wußten wir, daß für den zu schwachen rechten Heereöflügel
186