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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
Entstehung
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Drittes Kapitel

hatte mich in Mülhausen gerade wieder eingelebt, als Mitte Januar 1904 wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Nachricht kam, daß in Südwestafrika die HereroS im Aufstand waren und alle weißen Ansiedler in ihrem Gebiet erschlagen hatten. Ver­stärkungen für unsere Schutztruppe waren dringend notwendig.

Mein Soldatenblut wurde unruhig. Seit dreißig Jahren hatte ich nun meine Pflicht auf Kasernenhöfen und Exerzierplätzen getan oder in derGroßen Bude" in Berlin alle Möglichkeiten deS Krieges auf dem Papier durchdacht. Die letzte Folgerung meines Berufs war aber doch, mich als Soldat vor dem Feinde zu be­währen. Es war mir schon schwer genug geworden, während der China-Expedition unter dem Grafen Waldersee im Jahre 1900 ruhig an meinem Schreibtisch im Großen Generalstab auszuhalten. Dieses Mal wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Als irn Frühjahr die Aufstellung eines neuen Feldregiments für die Schutztruppe befohlen wurde, das aus der Heimat auf den Kriegsschauplatz entsandt werden sollte, stand mein Entschluß fest, mich zum Kommando dieses Regiments zu melden. Ein Zufall war mir günstig. Anfang Mai kam der Kaiser zu kurzem Besuch des Eroßherzogs von Baden nach Karlsruhe. Ich setzte mich kurz ent­schlossen auf die Bahn, fuhr nach Karlsruhe und trug dem Chef des Militärkabinetts, General Grafen von Hülsen-Haeseler, dem die Stellenbesetzung in der Armee unterstand, meine Bitte vor. Der General gab mir zu verstehen, daß schon zahllose Bewerbungen vorlägen, aber er wolle meinen Wunsch im Auge behalten.

Wenige Tage später besichtigte ich die Bataillone meines Regi­ments im Beisein des Kommandierenden Generals auf dem Habö- heimer Exerzierplatz. Nach der Schlußkritik verlas der Komman­dierende ein Telegramm des Militärkabinetts, das er soeben erhalten hatte: ich war zum Kommandeur des neuen Feldregiments für die

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