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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
Entstehung
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Erstes Kapitel

dills ich ein kleiner Kerl von zehn Jahren war, führte mich mein -^^Vater auf einer gemeinsamen Reise einmal in das Rathaus von Pforzheim vor eine alte Fahne auS dem Dreißigjährigen Krieg, die dort als Reliquie aufbewahrt wurde. Es war die Fahne der vierhundert Pforzheimer, die in der Schlacht von Wimpfen am Neckar (1622) mit ihrem Bürgermeister Berthold Deimling an der Spitze den Heldentod gefunden haben.

Der Markgraf Friedrich von Baden-Durlach, der die Streit­kräfte der protestantischen Union befehligte, stand damals in schwerem Kampf gegen ein überlegenes katholisches Heer unter Tilly. Am Nachmittag wurden die Pulverwagen des Markgrafen von feindlicher Artillerie getroffen und flogen in die Luft.Sichtbar schwebte" so erzählt ein Kriegsberichterstatter aus damaliger Zeitdie Heilige Jungfrau, die Generalissima Kaiser Ferdinands, über seinen Scharen und leitete die Kugel, die den Pulvervorrat Georg Friedrichs, des Ketzers, in die Luft sprengte." Fußvolk und Reiterei des Markgrafen, Badener, Pfälzer, Sachsen, Schweizer und Franzosen, fluteten über den Bellinger Bach nach Süden zurück. Hart drängten die Regimenter Tillys, Spanier, Bayern, Wallonen und Italiener, nach, als sich an der Brücke die Leibgarde des Mark­grafen, die vierhundert Pforzheimer unter ihrem Bürgermeister Berthold Deimling, den Siegern entgegenwarf. Die Pforzheimer wankten nicht und wurden bis auf wenige Überlebende aufgerieben. Ihr Opfertod aber rettete das Heer des Markgrafen vor der Ver­nichtung. Auch der Bürgermeister Deimling blieb auf dem Schlacht­feld. Mag auch die Sage im Lauf der Zeiten manche Ranke um die Tat der Vierhundert gewoben haben, so ist der Kern doch historisch. Ihre Fahne wird noch heute in Pforzheim aufbewahrt.

Von diesem Bürgermeister Deimling stamme ich in gerader Linie ab und bin sieben Menschenalter nach seinem Heldentod am 21. März

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