Viertes Kapitel
^j>ach zwölftägigem, anstrengendemRitt erreichte ich, der Truppe ^ ^voraus, mit meinem Stab die Hauptstadt unserer Kolonie, Windhuk. Nach dem langen Padleben sahen wir alle aus wie die Räuber. Wie freuten wir uns, endlich einmal wieder mit der Zivilisation in Berührung zu kommen.
Die Stadt liegt malerisch zwischen hohen Bergen. Viele hübsche Villen mit Palmengärten beleben daS Bild. Auf einer beherrschenden Höhe stand die Villa des Gouverneurs, in der zur Zeit der Oberkommandierende, General von Trotha, wohnte, während der Gouverneur Leutwein sich in Rehoboth, weiter südlich aufhielt, wo er bis zu meinem Eintreffen das Kommando führte. In der Hauptstraße zeugten zahlreiche anständig gebaute Häuser für einen gewissen Wohlstand. Die Geschäftshäuser sind meist sogenannte „Stores", in denen der Afrikaner alle seine bescheidenen Bedürfnisse, von Schlackwurst bis zur Stiefelschmiere, decken kann.
Im Hotel „Stadt Windhuk" kam ich sehr gut unter. Für mich war eS ein seit Monaten entbehrter Genuß, wieder einmal in einem richtigen Bett schlafen zu können. Nach einem Bad in den heißen Schwefelquellen und einer längeren Sitzung beim Frisör sah mir aus dem Spiegel plötzlich ein richtiger Kulturmensch entgegen, dessen Existenz ich fast vergessen hatte. Sehr lange sollte der Glanz allerdings nicht dauern.
Am ersten Abend lud mich Trotha in das Offizierkasino zu Gast und setzte mir richtigen deutschen Wein vor. Der schmeckte anders als das Wasser von Otjimanangombe, aber er bekam nicht so gut. Ich hatte mich so vom Alkohol entwöhnt, daß ich am nächsten Morgen mit einem heftigen Kater erwachte. Wer klug ist, meidet in Afrika den Alkohol ganz. In dem Klima geht er aufs Herz und macht unfähig zum Ertragen schwerer Strapazen.
Lange hielt ich es in Windhuk nicht aus. Nachdem mein Stab
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