Siebentes Kapitel
m i. Dezember 1907 wurde ich zum Kommandeur der 58. Jn- ^ 4 -fanterie-Brigade in Mülhausen i. E. emannt. Den Tropenhut, unter dem ich in Südwest manchen Sturm erlebt hatte, hängte ich in den Schrank und setzte mir dafür den Generalshelm auf, unter dem ich noch ganz andere Stürme erleben sollte.
Zum drittenmal in meinem militärischen Berufsleben kam ich nach Mülhausen und fand vertraute Verhältnisse vor. Gleich am Tage nach meiner Ankunft versammelte ich meine beiden Regimenter 112 und 142 auf dem Vaubanplatz und begrüßte sie mit einer kurzen Ansprache. Ich wies auf die Kriegserfahrungen in Südwest hin und betonte die Wichtigkeit gründlicher Schießausbildung und der Geländeausnutzung und sagte, was ein Offizier bei solchen Gelegenheiten eben zu sagen pflegt. Dann ging ich die Front ab, sprach mit diesem und jenem und fragte schließlich bei der letzten Kompagnie einen hoffnungsvollen Rekruten:
„Haben Sie verstanden, was ich gesagt habe?"
„Jawohl, Herr General."
„Na, was hab' ich denn gesagt?"
„Herr General wären auch mal in China gewesen."
Alles lachte, selbst die Leute im Glied konnten sich das Lachen nicht verkneifen. Am meisten aber mußte ich selbst lachen.
Meine neue Dienststelle war ein besonders verantwortungsvoller Posten, denn meiner Brigade fiel im Anschluß an das XV. Armeekorps der Schutz der Burgundischen Pforte zu, dem alten Einfallstor vergangener Jahrhunderte. Zahlreiche Grenzschutzübungen im Sommer und Winter, bei Tag und b.i Nacht, brachten reges militärisches Leben. Mein Bestreben, jeden einzelnen Soldaten zu selbständigem Handeln im Gefecht zu erziehen und das friedenSmäßige Kommandieren im Felddienst einzuschränken, fand bei allen Chargen volles Verständnis.
S Drimling, Zeit
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