Belfort anrückte, um die Festung zu entsetzen und dann in Baden einzufallen.
Das Korps Werder, zu dem die badische Division und mit ihr das Freiburger Regiment gehörte, hat in dreitägiger Schlacht an der Lisaine, bei furchtbarer Kälte, die feindliche Festung im Rücken, alle Angriffe Bourbakis abgeschlagen und schließlich seine Armee zum Rückzug gezwungen. „Wir lassen keinen durch", war die Losung der Badener, die an der Lisaine ihre Heimat schützten.
Am 2z. März 1871 kehrte das Freiburger Regiment in seine Garnison zurück. Unter gewaltigem Jubel der Bevölkerung fand der Einzug durch das Martinstor statt, aus allen Fenstern wurden die Truppen mit Blumen überschüttet. Die Mannschaften wurden in Bürgerquartieren untergebracht, auch meine Eltern bekamen einen Soldaten, der mir in den nächsten Tagen alle seine Erlebnisse erzählen mußte, soweit die Festlichkeiten ihm Zeit ließen.
Es wurde mir schwer, unter den machtvollen Eindrücken dieser Monate, die daS begeisterungsfähige Herz des angehenden Studenten auf das tiefste bewegten, mich mit dem nötigen Ernst auf die nüchternen Aufgaben der Schule zu konzentrieren. Und doch mußte es sein, denn im August drohte das Abiturientenexamen.
Im Einverständnis mit meinen Eltern hatte ich mich für Jurisprudenz entschieden. Wenn ich aber jetzt die Studenten, die als Kriegsfreiwillige ausgerückt und als Leutnants heimgekehrt waren, in ihren Uniformen mit dem Schleppsäbel an der Seite auf der Kaiserstraße einherstolzieren sah, dann packten mich doch manchmal Zweifel, ob ich nicht auch Offizier werden sollte. Mein Vater wollte von solchen Gedanken nichts wissen, aber damit war er einverstanden, daß ich gleich nach dem Abitur mein Jahr als Freiwilliger beim Freiburger Regiment abdiente. Das brachte den Vorteil, daß ich mich gleichzeitig an der Universität immatrikulieren lassen konnte.
Beim Abiturium hatte ich Glück. Das Zeugnis der Reife wurde mir mit dem Prädikat „sehr gut" erteilt. Ich wurde von 22 Schülern der zweite, Fehrenbach war der erste. Darum durfte auch er die Abschiedörede auf dem Kommers der „Maulesel" halten.
Einige Tage darauf ging ich für die Ferien nach Hornberg.