Italiener zweifelhaft", und am 6. August die Nachricht: „Italiener kommen nicht."
Nach vierjähriger Tätigkeit beim Generalstab bekam ich endlich die karmoisinroten Streifen an die Hosen. Der Traum aller jungen Offiziere von Ehrgeiz hatte sich mir erfüllt.
Im Leben des Generalstäblers ist nur der Wechsel beständig. Im Februar 1891 wurde ich zum Generalstab der l. Division nach Königsberg versetzt und freute mich mächtig, einmal wieder in engere Fühlung mit der Truppe und ordentlich an die frische Luft nach den Jahren reiner Büroarbeit zu kommen.
Mein neuer Herr war der Generalleutnant von Werder, der wegen seiner äußeren Ähnlichkeit mit dem großen Korsen allgemein „Napoleon" genannt wurde. Er war strategisch zwar kein Napoleon, wenn er sich auch im Manöver eines eittglasigen Fernrohrs zu bedienen pflegte. Bei diesem an sich tüchtigen und wohlwollenden Kommandeur bin ich zu keiner reinen Freude an meiner neuen Stellung gekommen. Er gehörte zu den Vorgesetzten von pedantischem Eifer, die alles selbst machen wollen.
Schon ein halbes Jahr später kam ich als Kompagniechef in das Infanterie-Regiment von Borcke Nr. 21 in Thom. Diese Versetzung entsprach dem Grundsatz, daß die Generalstäbler immer mal wieder in die Front zurückkehren mußten, um dem Truppendienst nicht entfremdet zu werden.
Ich bekam die 7. Kompagnie im Fort V, das über eine Stunde von der Stadt entfernt auf dem anderen Weichselufer lag. Um in der Nähe meiner Kompagnie zu sein, wollte ich nicht in Thorn wohnen, sondem zog in das DorfPodgorz, in ein kleines Fachwerkhaus, das ich noch mit dem Gendarmen des Ortes teilte.
Das Fort hatte helle Kasemattenräume, in denen die Mannschaft gesund und gut untergebracht war. Schwer war es aber für die verheirateten Unteroffiziere, die mit ihren Bedürfnissen ganz auf die 4 km entfemte Stadt angewiesen waren. Daher mußte der Kompagniechef sehr darauf bedacht sein, sich trotz der üblen Lage tüchtige Unteroffiziere zu erhalten. Mein Vorgänger hatte eine glückliche Hand gehabt und konnte mir ein gutes Unteroffizierkorps übergeben.
Gleich am ersten Sonntag machte ich die nähere Bekanntschaft
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