Parademarsch erregten die krummen Beine meines Freundes Adamczyk sogar berechtigtes Aufsehen.
Die strenge Exzellenz war im allgemeinen ganz zufrieden und murmelte nur etwas von Mangel an Routine und von Generalstäblern, die zu lange aus der Front seien. Aber das müsse er doch sagen: wie jeder einzelne Mann der Kompagnie sich heute für seinen Hauptmann ins Zeug gelegt und das Letzte hergegeben habe, das verdiene besondere Anerkennung. Eine solche Kompagnie werde auch im Krieg für ihren Führer durchs Feuer gehen.
Am Abend feierte ich mit meinen Leuten, denn das Urteil, daß mich meine Soldaten herausgerissen hätten, freute mich viel mehr, als wenn meine Routine belobt worden wäre.
Nach zwei Jahren Frontdienst kam ich wieder in den Generalstab der i. Division nach Königsberg zurück. Meine Stellung brachte mich bei Generalstabsreisen, Truppenbesichtigungen, Übungsritten und Manövern weit herum im Land, und als ich im Frühjahr 1895 meine Versetzung zum Generalstab des XVI. Armeekorps nach Metz erhielt, war ich dankbar, daß ich den deutschen Osten so gut kennengelernt hatte. Nicht nur dienstlich, sondem auch gesellschaftlich und menschlich habe ich mich sehr wohl in Königsberg gefühlt. Und doch freute ich mich, wieder in die Nähe meiner Heimat zu kommen.
Also Metz! Der siebente Umzug seit unserer Verheiratung. Meine Frau hatte sich so an das Umziehen gewöhnt, daß meine Hilfe ganz unerwünscht war. Ich fuhr also mit leichtem Gepäck voraus.
Meine neue Dienststellung war die des la beim Generalkommando. Dieser hatte die Mobilmachung des Armeekorps, den Grenzschutz, Truppenübungen und Manöver zu bearbeiten. Ich hatte erst dem Chef des Generalstabs Vertrag zu halten, dann dem Kommandierenden General im Beisein des Chefs. Weniger wichtige Entscheidungen konnte der Chef selber treffen. Kommandierender war der General der Kavallerie Graf von Haeseler, der „alte Gottlieb", wie er allgemein in der Armee hieß.
Haeseler war zweifellos ein Original, aber ein Original, von dem man wünschte, daß wir recht viele in der Armee gehabt hätten. Eigenartig war schon seine äußere Erscheinung: eine hagere Gestalt
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