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Wenn sich der militärische Führer zusammenrechnete, welche Truppenzahl Frankreich, Rußland und England gegen Deutschland und Österreich aufstellen konnten, so ergab sich eine nahezu dreifache Überlegenheit der Ententemächte. Um so mehr kam es darauf an, unserer Truppe in qualitativer Hinsicht die Überlegenheit zu sichern. Daher betrieb ich mit Hochdruck die Gefechtsausbildung des unter meinem Vorgänger vortrefflich geschulten Korps. Schon während der Kompagnieauöbildung ließ ich die Kompagnien für einige Zeit im Gebirge üben. Diese Maßnahme hat sich gut belohnt, denn während im August 1914 die VII. Armee in der Schlacht von Mülhausen kämpfte, versuchten die Franzosen über die Vogesen durchzubrechen und unseren Truppen in den Rücken zu fallen. Meine schwachen Grenzschutzabteilungen haben die Angreifer mit blutigen Köpfen nach Hause geschickt.
Während einer großen Gebirgsübung der Garnisonen Colmar, Neu-Breisach und Schlettstadt im Markircher Tal ereignete sich ein Vorfall, gegen dessen Humor ich nicht gewappnet war. Als die Übung gerade im besten Gang war, blies ein Arbeiter aus St. Kreuz, der sich seine musikalischen Fähigkeiten als Hornist der Infanterie angeeignet hatte, auf seinem Privathorn nacheinander die Signale: „Das Ganze halt", „Offizierruf" und als schönste Melodie deS Manöversoldaten: „Abrücken in die Quartiere". Der Truppe kam das Signal „Abrücken" schon mittags um 12 Uhr bei der peinlichen Ausdauer ihres Kommandierenden zu schön vor, als daß sie daran glauben wollten. So fielen sie auf den verlockenden Schwindel nicht herein.
Der Übeltäter wurde rasch gefaßt. Von allen Seiten wurde ich gedrängt, ein Exempel zu statuieren. Mir lag aber mehr daran, zu zeigen, daß man zwischen einem dummen Scherz und einem Verbrechen gegen die militärische Ordnung unterscheiden muß. Darum lud ich den freiwilligen Hornisten gleich an Ort und Stelle sehr nachdrücklich zu einer besonderen Reserveübung ein, „damit er Gelegenheit erhalte, sich auf seinem liebgewonnenen Instrument nach Herzenslust auszublasen".
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