angesetzt und verstrickten sich in einen fürchterlichen Kampf mit dem Gegner. Sie konnten unter blutigen Verlusten in den dichten Wäldern nur schrittweise vordringen. Auch die Regimenter meines KorpS machten Fortschritte. Die Umklammerung Pperns wurde immer enger, aber die verzweifelte Gegenwehr des Feindes verhinderte wieder die Entscheidung.
An der artilleristischen Vorbereitung lag daS nicht. Ich habe grundsätzlich zu allen Angriffen von der Armeeleitung an schwerer Artillerie und Munition angefordert und auch erhalten, was nur irgend erreichbar war. Ich habe stets dafür gesorgt, daß die Nachbarkorps mit ihrer Artillerie unseren Angriff flankierend unterstützten, und habe, als mir einmal die Artillerievorbereitung nicht genügend erschien, den Jnfanterieangriff gegen den Plan der Armeeführung um einen Tag hinausgeschoben. Trotzdem die vielen Opfer und doch keine Entscheidung!
In dieser! 4 tägigen Vpernschlacht kam es mir so recht zum Bewußtsein, wie anders der moderne Krieg war, als wir alle ihn uns vorgestellt hatten. Der Mensch konnte auch mit größter Tapferkeit nicht aufkommen gegen die Materialwirkung, und der Sieg fiel nicht dem zu, der die besten Soldaten hatte, sondem dem, der über das meiste und beste Material verfügte.
Als am i z. November unser Armeeführer, Kronprinz Rupprecht, mich auf dem Gefechtsstand aufsuchte, stellte ich ihm vor, daß mein KorpS am Ende seiner Kraft sei. Mit Z94 Offizieren und 20 000 Mann war die Infanterie deS Korps am go. Oktober zum Angriff auf Vpern angetreten, und 14 Tage später waren noch 171 Offiziere und 9000 Mann übrig. Also mehr als die Hälfte war tot oder verwundet. Ich bat den Kronprinzen, das Korps abzulösen und ihm Ruhe zu gönnen. Er konnte mir das nicht zusagen.
Aber tags darauf erhielten wir Verstärkung durch zwölf Bataillone (Regimenter 77 und 78 und 26. Reserve-Brigade) unter Generalleutnant Hoffmann, Kommandeur der 19. Division. Sie sollten uns helfen, den Angriff auf Vpern weiter vorzutragen.
Am 15. November begrüßte ich die Verstärkungstruppen bei Tourcoing und ließ sie an mir vorbeimarschieren. Die Regimenter machten einen vortrefflichen, frischen Eindruck. Leicht war ihre Aufgabe wahrlich nicht, so herausgerissen aus ihren Verbänden unter
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