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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
Entstehung
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Wir zogen in das alte Amtshaus an der Hauptstraße, ein drei­stöckiger, gelbangestrichener Giebelbau. Unter dem Dach war eine Luke mit einer Winde, um das Heu auf den geräumigen Speicher zu schaffen. Aus dieser Luke hat einst ein sehr verhaßter Amtmann seinem eigenen Leichenbegängnis zugeschaut, erzählt die Sage. Als sich der Leichenkondukt gerade unten vor dem Hause in Bewegung fetzte, guckte plötzlich der verstorbene Amtmann in weißem Toten­hemd und weißer Zipfelmütze aus der Luke und rief kläglich: Nehmt mich auch mit." Wir Kinder hatten höllischen Respekt vor demWeißkäppler" und glaubten in der Dämmerung oft, die geheimnisvolle Gestalt in einem Winkel des großen Hauses ver­schwinden zu sehen. Ein ganz klein wenig waren wir aber auch stolz, daß unser altes Amtshaus sein eigenes Gespenst hatte, so wie die Königsschlösser ihreweiße Frau".

Hinter dem Amt stieg ein großer, terrassenartiger Garten den Schloßberg hinan, für meine Erinnerung der schönste Garten der Welt, obwohl auch an nützlichen Gemüsebeeten nicht fehlte. Für mich, meinen um ein Jahr jüngeren Bruder Ferdinand und unsere Spielgefährten,Sattlerkarle", denHörnlewalz" so genannt, weil seine Stirnknochen knuppelartig vorstanden undSchuh­macher Baumanns Adolf" war es ein idealer Tummelplatz. Sie alle deckt schon der Rasen. Als ich vor ein paar Jahren auf Ein­ladung der Demokratischen Partei in Hornberg sprach, holte mich der letzte noch lebende Spielgefährte von der Bahn ab. Jetzt ist auch er, der Hermann Aberle aus der mittleren Mühle, tot.

Zweimal täglich kam der Thurn- und Taxiösche Postomnibus mit Vieren lang in aller Gemütlichkeit durch das Städtchen ge­raffelt. Auf dem Bock saß derPoschtl" in gelbem Frack, hellen Lederhosen, mit schwarzen Stulpenstiefeln und blies bei der Ein­und Ausfahrt lustige Lieder aus seinem Horn. An ereignisreichen Tagen, wenn der Omnibus nicht alle Reisenden fassen konnte, kam noch eineBeichais" mit. Für uns Hinterwäldlerbuben war das Eintreffen der Post eine große Sehenswürdigkeit, und mit offenem Mund staunten wir die Leute an, die aus der uns unbekannten Welt jenseits der Berge kamen.

Das Schönste aber war für uns dieMeß", der Jahrmarkt mit Seiltänzem, Zauberern, Bären und Karussell. Vor allem be-

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