grüßten wir mit Jubel das Kasperletheater. Wie haben wir gelacht, wenn Kasperle den Polizeidiener, den Gendarm, den Amtmann, ja selbst den Teufel verprügelte, bis alle auf der Strecke blieben. Dann räumte er wenig pietätvoll die Leichen auf seine Pritsche und warf sie in den Orkus.
Einmal ließ sich der Vater erweichen und nahm mich mit in die Schaubude eines „Zauberers". Dieser, selbst in seiner Phantasie ökonomische Mann, wollte aus Mehl und Eiern einen „Gugelhupf" vor den mißtrauischen Augen der Hornberger Hausfrauen erstehen- laffen. Dazu brauchte er — wie er sagte — Hilfeleistung. Sein Zauberauge fiel ausgerechnet auf mich, und er rief mich an seine Hexenküche. Mir war etwas beklommen zumute. „Nun, was willst du denn werden, Kleiner", fragte er. „Pfarrer", gab ich trotzig zur Antwort, weil ich mir dachte, daß dieser Beruf ihm Respekt bei seinem bedenklichen Handwerk einflößen würde. „Dann kann ich dich nicht brauchen", sagte der Zauberer. „Ich muß jemand haben, der Kuchenbäcker werden will." Unter allgemeinem Gelächter ging ich mit rotem Kopf auf meinen Platz zurück.
Meine Antwort „Pfarrer" kam auch daher, daß die Eltem gelegentlich davon sprachen, ihr Ältester müsse den Beruf des Großvaters ergreifen. Dabei spielte wohl auch der Umstand eine Rolle, daß ein Familienstipendium das Studium der Theologie erleichterte. Bei den tausend Gulden, die mein Vater als Gehalt bezog, waren solche Erwägungen sehr verständlich. Nach dem Reinfall mit dem Zauberer hatte ich aber die Freude am geistlichen Stand verloren.
Dagegen tauchten militärische Neigungen in mir auf. Als ich zu Weihnachten Helm und Säbel bekam, stand es bei mir fest, daß ich General werden wollte. Zunächst mußte ich mich mit meinen neun Jahren allerdings mit der Rolle eines Hauptmannö unserer aus ein Dutzend Buben bestehenden Jugendwehr begnügen, die mit Holzgewehren bewaffnet war und über einen weit hörbaren Trommler verfügte. Oft marschierten wir an den Sommerabenden stolz mit schlagendem Tambour durch das Städtchen nach einer Wiese, wo wir „Soldätles" spielten. Im Winter gab eS dann richtigen Felddienst mit großen Schneeballschlachten gegen die Buben aus den Nachbardörfern, die sich nicht immer taktvoll in ihre Rolle als besiegte Franzosen finden wollten.
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