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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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obligate Festrede hielt. War er auch politisch liberal, so verehrte er doch menschlich die Person des Großherzogs, und was er in seiner Rede sagte, kam ihm von Herzen. Bei dem Hoch, das er am Schluß ausbrachte, donnerten die Böller vom Schloßberg.

Sie donnerten wirklich, nicht wie bei dem sprichwörtlich ge­wordenenHornberger Schießen". Darüber erzählt man sich folgendes:

Im Anfang des 18. Jahrhunderts kam einmal der Herzog von Württemberg Hornberg war damals württembergisch auf den seltenen Gedanken, seine treue Stadt Hornberg trotz der großen Entfernung von den übrigen Landesteilen zu besuchen. Dem Ent­schluß folgte schon nach drei Tagen die Ausführung, so daß den Hornbergern nicht viel Zeit für festliche Vorbereitungen blieb. Aber die Väter der Stadt wollten es sich nicht nehmen lassen, den Landes­herr» durch untertänige Böllerschüsse würdig zu begrüßen. So wurden die seit dem Dreißigjährigen Krieg vergessenen Geschütze aus einem Winkel hervorgeholt und bewährten sich bei einem Probe­schießen über alles Erwarten. Das enge Tal gab bis hinauf nach Triberg die Salven in hundertfachem Echo wieder. Alles freute sich auf die Feier des kommenden Tages. Die Stücke wurden sorgsam geputzt und hergerichtet. Ein Übereifriger fand sogar Zeit, nach dem Pulver zu sehen. Aber o Schreck! der ganze Vorrat war bei dem gewissenhaften Probeschießen verbraucht worden.

Nun war guter Rat teuer, denn woher sollte in dieser friedlichen Zeit bis zur Ankunft des hohen Besuchs noch Pulver beschafft werden. Der kluge Bürgermeister war blaß, aber gefaßt. Er ließ alle Amtspersonen auf das Rathaus kommen und befahl ihnen, bei Ankunft des Herzogs auf ein Zeichen gemeinsam aus Leibeskräften Puff! puff!" zu schreien. Dann werde der Herzog meinen, daß wirklich geschossen sei.

Der Herzog kam, und die Hornberger schrien auch einwandfrei ihrPuff!", wie der Bürgermeister sie geheißen hatte. Serenissimus war aber Heller, als man gehofft hatte. Er wollte durchaus nicht glauben, daß geschossen worden sei, sondern sperrte jeden, der Puff!" geschrien hatte, einen Tag, den Bürgermeister aber gar drei Tage ins Loch. Für die historische Wahrheit dieser Erzählung kann ich mich allerdings nicht verbürgen.

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