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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
Entstehung
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Händewinken aus allen Häusern traten wir die große Reise an, talabwärts nach Gutach und von da über Prechtal nach Elzach, wo übernachtet wurde. Am nächsten Tage erreichten wir über Denz- lingen mit der Eisenbahn unsere neue Heimat Freiburg, von der Peter Hebel singt:

A'Friburg in der Stadt, sufer ischS und glatt, riche Here, Geld und Guet,

Jumpfere wie Milch und Bluet, z'Friburg in der Stadt.

Für die lieblichenJumpfere" von Freiburg hatte ich damals noch nicht das richtige Verständnis, aber die anderen Schönheiten der alten Stadt erkannte ich gleich mit Staunen: die klaren Bäche, die durch die Straßen fließen, die blitzsaubereGroß' Gaß", das herrliche Münster, im Hintergrund der Schloßberg mit dem Kanonenplatz, von dem aus sich ein prachtvoller Blick in das Dreisamtal, auf den Kaiserstuhl und die Vogesen öffnet. Alles das waren für mich so starke Eindrücke, daß sich das Heimweh nach Hornberg schnell legte.

Da ich später einmal studieren sollte, kam ich auf das Lyzeum, während mein Bruder Ferdinand dieHöhere Bürgerschule" be­suchte. Für zwei Söhne hätte es zum Studium doch nicht gelangt. Nach peinlichem Examen wurde ich meinem Alter entsprechend in die Quarta aufgenommen.

Meine Lehrer habe ich in dankbarer Erinnerung. Sie haben sich redliche Mühe mit mir gegeben und mir zahllose Dummheiten nachgesehen. Wenn sie uns bei der Lektüre der römischen und griechi­schen Klassiker in völliger Verkennung unseres Bedarfs allzuviel mit Regeln und Formelkram plagten und darüber vergaßen, uns in den Geist und die Schönheit der Antike einzuführen, so lag das weniger an den Personen der Lehrer als an den altmodischen Unter­richtsmethoden.

Etwas stiefmütterlich wurde der evangelische Religionsunterricht behandelt. Wegen der wenigen evangelischen Schüler wurde der Unterricht immer für drei Klassen gemeinsam erteilt, und zwar abends, wenn die anderen frei hatten. Im Winter, beim mystischen

2 Deimling, gelt

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