deutschen Kameraden, den wir in Freiburg gefragt hatten, wie ihm der Schwarzwald gefalle. „Ganz nett", hatte er geantwortet, „wenn nur die Berge einem nicht die ganze Aussicht wegnehmen würden."
Über Holstein wehte auch eine andere Luft als in der Heimat, mit frischem Salzgeruch von der See. Die ganze Deftigkeit der Holsteiner Küche gehörte dazu, um meinen Wolfshunger zu befriedigen. Die heimatlichen „Spätzle", die meine Mutter besonders gut zu machen verstand, hätten hier in dem anderen Klima nicht lange vorgehalten.
Vom Lockstedter Lager ging eö zum Manöver nach Mecklenburg in die Gegend von Wismar. Dabei bekam ich zum erstenmal die Ostsee zu Gesicht, die mir mächtig imponierte. Das größte Wasser, das ich bisher kennengelemt hatte, war der „Deicheleweier" in Freiburg, in dem wir als Jungens Molche gefangen hatten.
Großartig waren die Quartiere auf den mecklenburgischen Gütern. So etwas von Futtern hatte ich bis dahin gar nicht für möglich gehalten. Schon frühmorgens gab es, anstelle des heimatlichen Kaffees mit einem Weck, ganze Platten mit Aufschnitt und Eiern, und waö man an Ort und Stelle nicht verzehrte, wurde einem von freundlichen Wirten als Frühstückspaket mitgegeben. Nach dem einfachen Leben in der Heimat kam ich mir vor wie im Schlaraffenland.
Ich wurde dem I. Bataillon zugeteilt, das im neuen Teil von Rendsburg, Neuwerk, in Gamison stand. Ein paar stattliche Gebäude, Kommandantur und Dienstwohnung des Brigadekomman- deurö, umstanden den Paradeplatz, zwischen dessen Pflastersteinen das Gras friedlich hervorwucherte. Schmale Straßen und Gassen mit ein- oder zweistöckigen Häusern, den Wohnungen kleiner Geschäftsleute, bildeten die ganze Herrlichkeit. Über der Ortschaft lag immer ein leichter Duft von Krabben und Flundern.
Bei „Mutter Göstrup", die sich von einem kleinen Kramladen kümmerlich genug ernährte, mietete ich die billigste Leutnantöbude von Rendsburg. Das Wohnzimmer war ursprünglich ein Laden gewesen und zeigte noch ein hohes und breites Schaufenster, das in Brusthöhe mit Brettern vemagelt worden war. Allgemein hieß dieses Quartier das „Aquarium", weil es für die Straßenpaffanten keine Heimlichkeiten hatte. Für die geringe monatliche Zulage, die
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