eine „reiche Frau" prophezeite. Reich allerdings nicht durch Güter, die Rost und Motten verzehren, aber um so reicher an inneren Werten, durch die ich ein vielfacher Millionär geworden bin.
Damals hatte ich wenig Zeit, mich verliebten Träumereien hinzugeben. Das alljährliche Wettrennen in der Armee um die Einberufung zur Kriegsakademie stand vor der Tür. Meist meldeten sich mehrere hundert Kandidaten, während nur einhundert einberufen wurden. So konnte sich jeder ausrechnen, wieviele durchfühlen mußten, bis einer Erfolg hatte. Mit ganz anderem Eifer als auf der Schule begann ich wieder zu studieren. Geschichte, Geographie, Mathematik, Französisch, Taktik und Befestigungslehre. So flog die Zeit bis zu dem Examen im Frühjahr 1879 nur so dahin.
Nach bangen Monaten des Wartens kam im Juli ein Telegramm von einem zur Akademie kommandierten Regimentskameraden: „Gratuliere zur Einberufung." Hurra! Das erste war eine Depesche an die Braut, das zweite eine Flasche Sekt, die ich mit einem durch- gefallenen Freund zusammen trank. Das Leben war aber auch zu schön: im Herbst Hochzeit und dann drei Jahre zur Kriegsakademie nach Berlin, mit der Aussicht auf bevorzugte Verwendung und raschere Beförderung, vielleicht sogar auf den Generalstab, wenn man zu den Besten der Hundert gehörte.
Nach dem Manöver fand die Trauung im Hause meiner Schwiegermutter in Eisleben statt, zu der auch meine Mutter aus Freiburg gekommen war. Von dem Festessen mit seinen obligaten Toasten weiß ich nur noch, daß ich sehnlichst wünschte, es möchte endlich vorbei sein.
Mit dem Abendzug fuhren wir schon nach Berlin. Bald fanden wir eine nette Vierzimmerwohnung in der Frobenstraße, dazumal ganz am Ende von Berlin. Gleich neben unserem Hause begannen Ödländereien und wenig schöne Schuttabladeplätze. Durch solche Kleinigkeiten ließen wir uns aber in unserem jungen Glück nicht stören, das nach einem Jahr durch die Geburt einer Tochter noch erhöht wurde.
Die drei Jahre auf der Akademie waren für mich nur getrübt durch den Tod meiner Mutter, die im November 1880 nach langem Leiden starb. Die intensive Beschäftigung mit den militärischen Wissenschaften gab mir eine ganz neue Befriedigung in meinem
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