so daß dieser auch in den politischen Entscheidungen das Wort hatte. Und zum Unglück Deutschlands fehlte die starke Hand deS Monarchen, um den Lehren von Clausewitz Geltung zu verschaffen.
Nachdem ich zwischen den einzelnen Kursen der Akademie bei den Wandsbeker Husaren und dem i. Garde-Feldartilleric-Regi- ment Dienst getan hatte, um auch praktisch die anderen Waffen kennenzulernen, kehrte ich im Herbst 1882 zu meinem holsteinischen Regiment zurück, dieses Mal aber nach Kiel, wo das Füsilier- bataillon stand. Hier hatte ich Gelegenheit, die Marine kennenzulernen, die damals erst in der Entwicklung begriffen war. Das gegenseitige Verhältnis zwischen uns Infanteristen und den Marineleuten war sehr kameradschaftlich. Oft konnten wir als willkommene Gäste an Fahrten und Schießübungen auf See teilnehmen.
Zu dieser Zeit ereignete sich ein kleiner Flaggenstreit in Kiel. Es handelte sich um die preußische Fahne unseres Bataillons. Da verlangte eines Tages ein neuer Kommandant, daß sie in der Kaiserlichen Kommandantur abgegeben werden sollte, vor der ein sozusagen neugebackenes schwarz-weiß-roteS Schilderhaus stand, während wir als preußische Truppen schwarz-weiße Schilderhäuser hatten. Es gab einen langwierigen Streit bis zu den höchsten Stellen, bei dem schließlich, soweit ich mich entsinne, der preußische Major siegte.
So unwichtig der Vorfall an sich ist, so beleuchtet er doch die Tatsache, daß die schwarz-weiß-rote Reichöfahne im Heer niemals die Rolle gespielt hat, die man ihr nachträglich zuweisen möchte. Alle Abzeichen in der Armee, Fahnen, Feldbinden, Schärpen und Portepees waren in den Landesfarben gehalten. Also hat auch das Heer im Weltkriege nicht unter schwarz-weiß-roten Fahnen ge- kämpft, wie immer geredet wird.
Das deutsche Volk sollte sich doch endlich bewußt werden, wie sehr sein Ansehen in der Welt geschädigt wird durch die gehässigen Angriffe auf sein staatliches Hoheitszeichen, und sollte endlich den unseligen Flaggenstreit begraben durch allgemeine Anerkennung der verfassungsmäßigen Farben. Eine neue Zeit braucht auch neue Symbole.
Schwarz-rot-gold ist schon in den Freiheitskriegen als deutsche Flagge neben den einzelnen Landesfarben getragen worden. 1848
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