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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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hat Friedrich Wilhelm IV., der selbst schwarz-rot-goldene Abzeichen anlegte, befohlen, daß seine Truppen neben der preußischen auch die schwarz-rot-goldene Kokarde zu tragen hatten. 1850 wurde dieser Befehl allerdings rückgängig gemacht. Auch die Vorläufer der Reichsmarine haben sich 1848 unter schwarz-rot-goldener Fahne siegreich gegen die dänische Seemacht behauptet. Und als am 2. Sep­tember 1870 die Kunde vom Sieg bei Sedan kam, flaggten viele in Deutschland mit schwarz-rot-goldenen Fahnen, um der Hoffnung auf baldige Reichseinheit Ausdruck zu geben.

Als Bismarck 1871 die schwarz-weiß-rote Fahne des Nord­deutschen Bundes für ganz Deutschland einführte, herrschte in weiten Kreisen des deutschen Volkes, namentlich in Süddeutsch­land, mehr Stimmung für die großdeutsche Fahne von 1848. Aber Schwarz-weiß-rot blieb daS Wahrzeichen des Kaiserreichs, das im Weltkriege zusammengebrochen ist und nie wiedererstehen wird. Damit ist auch sein Wahrzeichen nur eine ehrwürdige Reliquie, deren Andenken wir hochhalten wollen. Wir müssen heute aber unseren Blick vorwärts richten, und da weht uns die schwarz-rot- goldene Fahne Großdeutschlands voran als Symbol für die Zu­kunft.

Auf Grund meines Abgangszeugnisses von der Kriegsakademie durfte ich, ohne unbescheiden zu sein, hoffen, bald aus der militäri­schenOchsentour" herauszukommen. Nachdem sich mein Haus­stand in Kiel in jedem Jahr um eine Tochter vermehrt hatte drei Kieler Sprotten", wurde ich 1885 zum Brigade-Adjutanten in Neiße ernannt und schon ein Jahr später zur Dienstleistung bei dem Großen Generalstab in Berlin kommandiert.

Der Generalstab teilte mich der topographischen Abteilung zu, und am 1. Mai mußte ich mich in Ostrowo beim Vermeffungö- dirigenten melden. Ich bekam zur Aufgabe, eine Meßtischplatte dicht an der russischen Grenze, gegenüber von Kalisch, aufzu­nehmen.

Das Topographieren ist für den Anfänger keine leichte Arbeit, und ich mußte mich tüchtig ranhalten, um meine Platte bis zum Herbst fertigzubekommen. Meist bin ich morgens um vier Uhr mit meinem Burschen losgezogen, der die Meßlatte von Ort zu Ort zu schleppen hatte. Ende September war ich mit dem Aufnehmen fertig.

3 Deimling, geil

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