Hände, als sie wie aufgescheuchte Hühner vor der Front hin und her liefen und vergeblich nach Deckung suchten.
Ganz besonderen Nachdruck legte Haeseler auf den Mannschaftsunterricht. Wenn er auf ein eingepauktes Frage- und Antwortspiel stieß, konnte er sehr ungemütlich werden. Er verlangte, daß durch den Unterricht das selbständige Denken geweckt würde. Von Enttäuschungen blieb er allerdings auch selbst nicht verschont. So fragte er einmal bei einer Geländeübung einen Rekruten, dessen Gesichtsausdruck bedauernswert dämlich war: „Auf welchem Ufer derMosel stehen Sie hier?" „Auf dem rechten Ufer, Euer Exzellenz." „Sehr gut! Nun machen Sie mal kehrt. Auf welchem Ufer stehen Sie jetzt?" „Auf dem linken. Euer Exzellenz." Das war selbst dem geduldigen Haeseler zu viel.
DaS erste Genesungsheim in der deutschen Armee ist von Haeseler geschaffen worden. Zahlreiche Soldaten haben in dem Heim in Alberschweiler, am Fuße des Donon, ihre Gesundheit wiedergefunden. Dieses Vorbild wurde nach und nach von den anderen KorpS aufgenommen.
Die Soldaten liebten und verehrten den „alten Gottlieb", weil sie wußten, daß er durchaus sozial dachte und fühlte. Tatkräftiges Interesse widmete er dem Menage- und Kantinenbetrieb und war immer bestrebt, die Härten der Militärjustiz zu mildern. Obwohl er die höchsten Anforderungen an Offizier und Mann stellte, hingen doch alle an ihm, weil er noch höhere Anforderungen an sich selbst stellte.
Die Jahre in Haeselers Stab gingen für mich bei angestrengtester Arbeit wie im Fluge dahin. Oft mußte ich für meine Büroarbeiten die Nächte zu Hilfe nehmen. Längeren Urlaub habe ich in den ganzen Jahren ebensowenig gehabt wie die anderen Offiziere des Stabes. Auch Haeseler ging nur ab und zu auf ein paar Tage nach Alberschweiler, wo er im Mannschaftsgenesungsheim wohnte und aß. Selten nur fuhr er einmal auf sein Gut Harnekop bei Wriezen a. O., um dort nach dem Rechten zu sehen.
Im üblichen Turnus zwischen Generalstab und Front wurde ich am 27. Januar 1898 als Bataillonskommandeur in das 4. Badische Infanterie-Regiment Nr. 112 nach Mülhausen i. E. versetzt. Die Trennung von meinem Kommandierenden, dem ich
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